Fasching In Berlin

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Fasching in Berlin

Vor einigen Tagen wurde ich gefragt, wie Fasching in Berlin gefeiert wird.

Fasching? In Berlin?

Das ist wie Hulatanz am Nordpol.

Ich erinnere mich an die 50er Jahre, da sollte uns mit Karnevalsumzügen der Fasching nähergebracht werden. Was bot sich hierfür besser an, als der Kurfürstendamm im damaligen Westberliner Zentrum für derartige Festivitäten. Wir standen am Straßenrand und warteten gespannt auf das große Ereignis. Da bogen bereits die ersten Wagen aus einer Seitenstraße auf den Kurfürstendamm ein. Wie in den Faschingshochburgen wurden politische Ereignisse und Personen des öffentlichen Lebens durch Transparent und Pappköpfe durch den Kakao gezogen.

Wer nun erwartet hatte, dass die Figuren und die Texte mit begeisterten „Ah“ und „Oh“ – Rufen begrüßt wurden, der hatte sich geirrt. Kaum eine Hand rührte sich zum Beifall. Selbst ein verzweifelter Kamellenregen konnte uns nicht zu Beifallstürmen oder Faschingsrufen hinreißen. Eine Frau neben mir fragte ihren Mann: „Sollen wir jetzt helau oder alaaf  rufen?“

„Haste nich jelesen, wir sollen „heijo“ rufen“, kam die Antwort. „Und was bedeutet das?“, setzte sie nach. „Woher soll ick denn det wissen“, gab er etwas gereizt zurück.

Die wenigen Wagen hatten uns passiert und die Menge zerstreute sich in alle Richtungen. Noch im Weggehen hörte ich den Mann brummen: „Det is so, als ob de Bananen im Grunewald anpflanzen tust. Da wird och nischt draus.“                 Das war zwar ein recht drastischer Vergleich, kam aber der Sache schon recht nahe, dachte ich mir und konnte mir ein gewisses Grinsen nicht verkneifen.

Um die wirklichen Ursachen zu ergründen, warum es in Berlin nicht wie in Köln oder Mainz funktioniert, bedürfte es intensiver Studien über die Ursprünge des Faschings.  Ich denke, dass es sicher auch an der Mentalität der Berliner und Brandenburger liegt. Diese unbeschwerte, fast leichtlebig anmutende Fröhlichkeit in den Karnevalshochburgen können wir nicht nachempfinden und auch nicht nachmachen. Da muss man hineingeboren sein.

Gerne würden wir diese Art der Fröhlichkeit übernehmen, aber bereits mit den Karnevalssitzungen, die uns im Fernsehen gezeigt werden, habe wir so unsere Schwierigkeiten. Die Beinchen schwenkenden Funkenmariechen sind ganz lecker, aber bei den Büttenreden wird es bereits nervig. Die Dialekte hören sich recht putzig an, aber leider bleibt uns der witzige Inhalt verborgen, weil wir sie nicht verstehen.  So ist es nicht verwunderlich, dass wir bald einen anderen Fernsehkanal wählen.

Vielleicht hatte der Mann doch recht, als er Bananenanpflanzungen im Grunewald für nicht als sinnvoll hielt.

© Dieter Kermas

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Photo: ©  Die Welt.de (2010)———————————————————————————————————————————————
Dieter KermasDieter  Kermas, CaliforniaGermans Guest Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. Apart form his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans.  Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.
 
To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subject line “Dieter Kermas”  to: californiagermans@gmail.com
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One response to “Fasching In Berlin

  1. “Fasching? In Berlin?

    Das ist wie Hulatanz am Nordpol.”

    Amen. Da kann ich nur zustimmen. Zum Rosenmontag mit dem ICE in Berlin einzufahren ist wirklich nicht der Gelbe vom Ei.