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LUCAS – Eine Geschichte aus der Ritterzeit 

LUCAS – Eine Geschichte aus der Ritterzeit 

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
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Der herbstliche Frühnebel hatte sich noch nicht aus den engen Gassen des Dorfes verzogen, als Lucas, ein Bündel Schuhe über der Schulter, eilig um die Ecke des väterlichen Hauses bog.

Der Anprall, der folgte, war so heftig, dass die Schuhe zu Boden fielen.

»He Lorentz, bist wohl noch nicht ganz wach«, fuhr er sein Gegenüber an, als er ihn erkannte.

Dieser murmelte etwas Unverständliches und bückte sich, um eine Papprolle aufzuheben, die ihm aus dem Wams gerutscht war.

»Ach ich sehe schon, du bist wieder als Büttel unterwegs und hast es eilig, die Schreiben abzuliefern«, bemerkte Lucas. Sein Freund, Lorentz Friedlein verdiente sich als Briefbote ab und zu damit ein Zubrot.

»Womit du recht hast«, bestätigte Lorentz und wollte, unwirsch über die Verzögerung, eilig seinen Weg fortsetzen. Lucas hielt ihn am Ärmel fest und raunte ihm ins Ohr: »Komm heute Abend zu uns, es ist wichtig«, wobei er eine verschwörerische Miene aufsetzte.

»Ja,ja, wird wohl nicht so brandheiß sein«, murrte Lorentz noch, ehe er davoneilte.

Lucas warf sich die Schuhe wieder über die Schulter und strebte dem nächsten Kunden zu.

Lucas war sich nicht sicher, ob Lorentz käme. Zu seiner Erleichterung klopfte es gegen acht Uhr an der Tür und Lorentz trat ein und begann sofort:

»So, nun erzähle mir bitte, was es so Wichtiges gibt. Meine Frau war schon recht misstrauisch und argwöhnte ich würde dich nur als Ausrede benutzen, um heimlich ins Wirtshaus zu gehen.«

»Kannst du dich an Ostern des letzten Jahr erinnern?«, erkundigte sich Lucas.

»Kann ich«, bestätigte Lorentz.

»Kannst du dich auch noch an das Edelfräulein Karolina von Bodenfeldt erinnern, die mit ihrem Gefolge von ihrer Burg in Ganslingen hier am Umzug teilnahm? Ihr Anblick hat mich von da an nicht mehr losgelassen. Die goldenen Haare die flachsblumenblauen Augen, die …«

Hier unterbrach sein Gegenüber kurz die Schwärmerei und meinte mit leichtem Grinsen »Du meinst ihre strohgelben Haare und die Augen, die so blau wie von unserem Kalb sind?! Ja, ich kann mich erinnern und was willst du mir nun endlich mitteilen?«

Lucas druckste noch einen Moment herum, um dann zu gestehen: »Ich habe mich in sie verliebt und würde ihr gerne schreiben.«

Das urgewaltig ausbrechende Gelächter von Lorentz dröhnte durch das Haus, dass im nächsten Augenblick Lorentz Vater, der Schuhmacher, in der Tür der Wohnstube stand und ratlos die beiden ansah.

»Vater, es ist alles in Ordnung. Wir sind nur guter Dinge.«

Kopfschüttelnd und vor sich hin murmelnd drehte sich sein Vater um und ging zurück in die Werkstatt.

Nachdem  Lorentz wieder zu Atem gekommen war, warnte er Lucas:

»Weißt du denn nicht, dass der Ritter Ott vom Katzenstein seit eh und je das Fräulein Karolina begehrt und ich viele seiner Liebesbriefe an sie überbringen musste? Wie kannst du es überhaupt wagen, als Schustersohn nach dem Edelfräulein zu schielen? Wenn Ritter Ott etwas von deinen Gefühlen ihr gegenüber erführe, dann gnade dir Gott.«

Lucas sah sichtlich betreten ob dieser Warnung zu Boden und sagte dann mit leiser Stimme:

»Warum kann ich nicht lesen und schreiben lernen, wie die vom hohen Adel und wie die Pfaffen? Sind wir nicht genauso viel wert wie sie, um damit unser Leben zu verbessern?

Lange schon nagt diese Ungerechtigkeit an mir. Weißt du Lorentz, mir ist nicht bange vor Ott und aus diesem Grund habe ich eine große Bitte. Du musst mich mit einem der Schreibkundigen vom Gericht oder auch von der Kirche zusammenbringen. Ich denke, ich bin anstellig genug, um das alles zu lernen. Dann kann ich der Dame meines Herzens selber schreiben und, wenn es das Schicksal so will, auch lesen, was sie antwortet.«

Lorentz hatte aufmerksam zugehört. Legte seine Stirn in Falten, sog hörbar die Luft ein und sagte dann: »Ich bin mir fast sicher, dass dich der Teufel reitet. Doch ich will dir die Bitte nicht abschlagen. Mein Schwager, der Johannes, ist Schreiber beim Gericht. Er hat das Lesen und Schreiben bei den Mönchen gelernt. Vielleicht kann ich ihn überreden, es dir beizubringen.«

Lucas atmete sichtlich auf und versprach Lorentz zum Dank seine Schuhe umsonst zu reparieren.

Nach einigem Widerstreben willigte Johannes ein, Lucas zu unterrichten. Sein Lohn hierfür sollten Schuhe, aus feinstem Leder, für sich und seine Frau sein.

Schnell wurde klar, wie gelehrig sich Lucas anstellte. Nach erstaunlich kurzer Zeit konnte er langsam, aber fast fehlerfrei lesen. Das Schreiben hingegen fiel im sichtlich schwerer. Es waren nicht die Buchstaben an sich, die er schreiben sollte, es war vielmehr seine, durch die harte Arbeit ungelenke Hand, die die Buchstaben anfangs leicht krakelig erscheinen ließen. Besonders ärgerlich für seinen Lehrer war es, wenn sich unter der schweren Hand die Feder spreizte und sich ein Tintenklecks auf dem so wertvollem Papier ausbreitete.

Eines Tages war es dann endlich so weit. Johannes erklärte Lucas, seine Ausbildung wäre nun zu Ende und entließ ihn mit allen guten Wünschen.

Anfangs standen seine Eltern seinem Wunsch skeptisch gegenüber, weil sie sich nicht vorstellen konnten, wofür das alles taugen sollte. Eines Tages jedoch brachte ein Bote ein Schreiben vom Gericht, indem es um versäumte Steuern ging. Lucas las das Schreiben, setzte sich hin und schrieb einen Antwortbrief, worin er die Sachlage klarstellte. Das Gericht war zufrieden mit der Erklärung und die Angelegenheit war damit erledigt. Das war der Moment, wo die Eltern erkannten, wie hilfreich seine Ausbildung war.

Am Tag, als Lucas den Brief für seine angebetete Karolina Lorentz zum Überbringen übergab, fühlte er sich einerseits erleichtert, andererseits jedoch recht angespannt und unruhig. Wie würde sie reagieren? Schriebe sie zurück, oder lachte sich das gesamte Hofgesinde schier schief über diesen Tölpel namens Lucas?

Die Tage gingen ins Land und nichts geschah. Mehrfach hatte er Lorentz gefragt, ob er den Brief tatsächlich abgegeben habe. Worauf dieser zum wiederholten Male bestätigte, er habe es einem der Bediensteten mit der dringenden Bitte, es persönlich dem Fräulein Karolina zu übergeben, getan.

Eines Nachts klopfte es heftig an der Tür des Schuhmachers. Lucas tappte schlaftrunken zur Tür und Lorentz stürzte wortlos an ihm vorbei in die Wohnstube.

»Jetzt haben wir die Katastrophe«, begann er atemlos.

»Was für eine Katastrophe?«, fragte Lucas verwirrt.

»Dein geliebtes Burgfräulein hatte nichts Eiligeres zu tun, als deinen Brief ihrem Verehrer, dem Ritter Ott vom Katzenstein zu übersenden. Dieser hat die Zeilen nicht lustig gefunden, ganz im Gegenteil, er hat wütend gebrüllt, welcher Hundsfott sich erfrechte, seine Angebetete so zu beleidigen. Zum Schluss gab er den Befehl, dich gefangen zu nehmen und zur Burg zu bringen. Man würde dich nicht ungestraft davonkommen lassen.

So, nun pack ein paar Sachen ein, verabschiede dich von den Eltern und sieh zu, dass du umgehend über die Grenze kommst.«

Lucas war bleich geworden. Diese Niedertracht hatte er Karolina nicht zugetraut. Er dankte seinem Freund für die Warnung, informierte seine entsetzten Eltern und verließ noch in dieser Nacht das Haus.

Die Häscher, die in aller Frühe am nächsten Tag erschienen, musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Er lief die ganze Nacht hindurch, ließ zwei Dörfer hinter sich, ehe er erschöpft zu früher Stunde in Ganslingen anlangte. Er war sich bewusst, dass er sich nun unweit der Burg von Karolina von Bodenfeldt befand, vertraute aber auf sein Glück, unentdeckt zu bleiben. Er bewarb sich unter einem falschen Namen in einer Schreibstube und bekam eine kleine Dachkammer im Haus des Bäckers zugewiesen. Er verhielt sich still und unauffällig, nahm  keinen Kontakt zu den Eltern auf, und hoffte, eines Tages zurückkehren zu können.

Hin und wieder saß er abends im Wirtshaus bei einem Bier und hörte den Gästen zu. So auch an diesem Abend, als sich zwei Galgenvögel am Nebentisch breitmachten. Großspurig bestellten sie einen Krug Wein und etwas zu essen. Als der Wirt vorsichtshalber fragte, ob sie auch zahlen könnten, warfen sie eine Handvoll Silbermünzen auf dem Tisch und lachten über das erstaunte Gesicht des Wirtes.

Sie aßen und tranken und nach einer gewissen Zeit tat der Wein seine Wirkung. Ihre erst so leise geführte Unterhaltung wurde lauter, sodass Lucas leicht ihrem Gespräch folgen konnte.

»Bist du auch sicher, dass wir den Brief dem schwarzen Niklas übergeben sollen? Mir graut bereits schon jetzt davor, diesem Galgenschwengel und Mordbrenner zu begegnen.«

Sein Kumpan tat noch einen tiefen Schluck aus dem Becher, rülpste und lallte: »Seit sich die Herren von Katzenstein und von Bodenfeldt nun seit geraumer Zeit in den Haaren liegen, verwundert es mich nicht, dass der Ritter von Bodenfeldt zu solchen Mitteln greift. Es wird gemunkelt, dass ein Spitzel dem Vater von Karolina hintertragen hat, dass Ott vom Katzenstein nur um seinen Machtbereich zu vergrößern, hinter seiner Tochter her wäre. Das hat Ferdinand von Bodenfeldt gar gewaltig ergrimmt und er hat sich bereits nach einem neuen Verehrer für seine Tochter umgesehen. Die ständigen Überfälle auf seine Kaufleute gingen sicher auch auf Otts Kappe. Er würde sich nun den Widersacher kurzerhand vom Halse schaffen.«

Er erhielt keine Antwort mehr von seinem Tischnachbarn, der derweil mit dem Kopf auf der Tischplatte, mit dem Gesicht in einer Weinlache, friedlich schnarchte.

Lucas hatte mit wachsendem Erstaunen dem Gespräch gelauscht. Welchen Brief sollten sie überbringen? Hatten sie ihn bei sich? Wenn durch den Brief Gefahr für Ritter Ott vom Katzenstein bestünde, und ich ihn warnte, dann könnte ich vielleicht der Strafe entgehen, überlegte Lucas.

Der Wein tat nun seine Wirkung bei dem anderen Galgenstrick. Sein Kopf sank ebenfalls auf die Tischplatte und ein Grunzen verriet, dass er zu schlafen begann.

Lucas musterte die Kleidung der beiden. Ja, bei dem Ersten entdeckte er, halb aus dem Wams ragend, eine kleine Papprolle. Sollte darin der Brief sein? Wie zufällig näherte sich Lucas dem Nachbartisch, bückte sich etwas und zog mit äußerster Vorsicht die Rolle ganz heraus, sah sich um und öffnete sie. Schnell überflog er die Zeilen. Tatsächlich der Brief an den schwarzen Niklas war der Auftrag, den Ritter Ott vom Katzenstein zu ermorden. Inzwischen war der Wirt auf die Schläfer aufmerksam geworden und wollte geradewegs zu deren Tisch kommen, als er von einem anderen Gast davon abgehalten wurde. Flink steckte Lucas den Brief in seine Tasche und die leere Rolle  vorsichtig wieder unter das Wams des Schläfers. Zahlte und begab sich in seine Dachkammer.

Am nächsten Morgen machte er sich sofort auf den Weg zur Burg Katzenstein. Obgleich er guten Mutes war, die Strafe erlassen zu bekommen, beschlichen ihn zwischendurch Zweifel.

Vor dem Tor angekommen, wurde er erkannt, ergriffen und vor den Ritter Ott geschleppt.

»Kerl, was erdreistet er sich meiner Angebeteten unsittliche Briefe zu schreiben. Dafür lasse ich ihn in den Turm werfen«, wetterte Ott.

»Bitte auf ein Wort, Euer Hochwohlgeboren«, bat Lucas.

»Es sei, aber erwarte keine Milde«, erlaubte der Ritter gnädig.

Lucas erzählte in kurzen Worten, was er erlauscht hatte und zog zum Beweis das Schreiben mit dem Mordauftrag unter seinem Kittel hervor.

Ott las und seine Miene verfinsterte sich zusehends. Er unterbrach das Lesen und wandte sich an Lucas »Hat er denn den Brief lesen können?«

»Ja, ich bin des Lesens und Schreiben kundig«, erwiderte Lucas bescheiden. Ott las bis zum Ende und grollte:

»Dafür soll Ferdinands Burg brennen«. Dann wandte er sich Lucas zu, musterte ihn streng und verkündete »Er hat mir einen großen Dienst erwiesen. Seine Strafe sei hiermit hinfällig. Hat er noch etwas zu sagen?«

Lucas sah in diesem Moment die Chance, seinem Leben eine andere, bessere Wendung zu geben und begann:

»Hätte ich nicht aus eigenem Antrieb heraus das Lesen und Schreiben gelernt, so hätte ich diesen Brief weder lesen, noch seine Tragweite erkennen können. So bitte ich, mir zu gestatten, eine Schreibstube zu eröffnen, um Leuten meines Strandes das Privileg, lesen und schreiben zu können, beizubringen.«

Darauf setzte unter den Höflingen und den Pfaffen ein Raunen ein.

Als Ott hörte, wie ein Höfling sich darüber mokierte, dass nunmehr Leute des niederen Standes schreiben und lesen lernen sollen und klagte, damit stünde die gottgegebene Ordnung auf dem Kopf, rief er ihn zu sich und befahl:

»Er selbst wird dafür Sorge tragen, dass dem Mann ein ausreichend Zimmer nebst Material zur Verfügung gestellt werde. Zudem sei er verpflichtet, Leuten des niederen Standes, so sie lernen wollen, den Zutritt zur Burg zu gewähren.«

Lucas bedankte sich und versprach sich mit aller Kraft dieser Aufgabe zu widmen.

Daraufhin eilte er zu seinen Eltern, die diese glückliche Wendung kaum glauben konnten.

Sein Vater war so stolz auf seinen Sohn, dass er einen Umtrunk für Lucas Freunde im Wirtshaus ausrichten ließ.

Es sei hier vermerkt, dass die Schreibstube anfangs recht zögerlich von den Leuten angenommen wurde, aber je mehr sie erkannten, welche Vorteile mit dem Lesen und Schreiben verbunden waren, mehrten sich die Anmeldungen. Die so Ausgebildeten fanden nun gut bezahlte Arbeit bei Kaufleuten und größeren Handwerksbetrieben.

Der Erfolg der Schreibschule verbreitete sich rasch, auch über die Grenzen hinaus, und fand Nachahmer im ganzen Land.

©Dieter Kermas

Image:Pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories, he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, has published his first novel “Kolja. Liebe im Feindesland” in 2016, available on Amazon.com . Some of his work has been included in anthologies.

To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subject line “Dieter Kermas” to californiagermans@gmail.com
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‘Winterende’ – Ein Gedicht

Winterende

(Ein Gedicht von Dieter Kermas)
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Neulich hat mich das erschreckt,
was Winterkleidung sonst verdeckt.
Körper, die weißen Maden gleichen,
liegen als blasse Winterleichen
in Bädern und an vielen Teichen.
Der Winterspeck ist gut geraten.
Hier liegt man, um ihn auszubraten.
´Ne Wabbelwampe schwappt vorbei.
Drin sind Bierchen, mehr als drei.
Die Milch wird wieder luftgekühlt,
was nett aussieht und gut anfühlt.
Ist der Mensch dann durchgestylt
wird er vom Winter rasch ereilt.
Und was er mühsam hat erreicht,
der dicken Winterkleidung weicht.
Der Körper wird nun eingesackt
und im Frühling ausgepackt.

©Dieter Kermas

Image: Pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories, he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, has published his first novel “Kolja. Liebe im Feindesland” in 2016, available on Amazon.com . Some of his work has been included in anthologies.

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Fliehe!

Fliehe !

(Ein Gedicht von Dieter Kermas)
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Flattern Fahnen dort im Wind,
flieh´ sofort mit Frau und Kind,
denn seit vielen hundert Jahren
mussten wir voll Leid erfahren,
dass die Fahne als Symbol
weht nicht zu des Menschen Wohl.

Löwen, Bären, Adler, Drachen
soll´n des Herrschers Heer bewachen.
Grimmig schau´n sie von den Fahnen,
böses lässt der Anblick ahnen.
Werden Dörfer abgebrannt
und herrscht blanke Furcht im Land,
werden wie in alten Tagen,
Fahnen stets vorangetragen.

Wiens Erfahrung mit Osmanen
unterm Halbmond soll uns mahnen
und zur Vorsicht sei geraten
beim Totenkopf der Seepiraten.
Russlands Hammer samt der Sichel
und das Hakenkreuz vom Michel,
mit den Fahnen über Nacht,
haben sie nur Tod gebracht.

Christuskreuz auf einer Fahne,
dich sofort zur Flucht ermahne.
Links das Kreuz und rechts das Schwert,
ja, so wird der Heid´ bekehrt.
Den rechten Glauben musst du haben,
sonst fressen dich am End die Raben.
Scheiterhaufen sah man brennen,
Menschen um ihr Leben rennen.

Barmherzigkeit ward da gepredigt,
wer anders denkt, der wird erledigt.
So war´ s wahrlich nicht gedacht,
doch die Kirche liebt die Macht.
Noch einmal warn´ ich vor Symbolen,
sie sollte doch der Teufel holen.

©Dieter Kermas

Image: Pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories, he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, has published his first novel “Kolja. Liebe im Feindesland” in 2016, available on Amazon. Some of his work has been included in anthologies.

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Xmas Baking Recipe #3: Bad Ischl Jelly Rings à la Dieter Kermas

JELLY RINGS FROM BAD ISCHL – The No-Eggs Xmas Cookie

In our Christmas Cookie Baking Series, we share today one of Dieter Kermas’ favorite ‘Weihnachtsplätzchen’ that he has baked for years! It’s a straightforward recipe that doesn’t need any eggs.

The cookies make for a beautiful looking and deliciously tasting Christmas treat. In fact, this cookie and some with slight variations (different jams & jellies) belong to the traditional staple of Christmas cookies in Germany and shouldn’t miss on any Christmas cookie platter. A variation of this cookie is called ‘Spitzbuben’, a cookie that looks similar but sometimes incorporates an egg in its cookie batter.

Enjoy!

INGREDIENTS

300g   Flour

100g almond flour

185g powdered sugar

2 packets of vanilla sugar

1 pinch of salt

225g Butter

some flour to roll out the dough

75g raspberry jelly

PROCEDURE:

Step #1 – For the dough, mix the flour with the almond flour and the 125g powdered sugar.

Step #2 – Make a well in the middle. Add the Vanilla sugar and the pinch of salt to it.

Step #3 – Spread the butter in little flakes around it. Quickly prepare to a smooth batter. Cover and allow to cool for 30 minutes.

Step #4 – On a lightly floured work surface  roll out the dough about 3mm thick. Cut out round cookies with a diameter of 6cm. Turn half of the cookie batch into circles by cutting out a hole of about 2cm in the middle.

Step #5 – Put all on a baking sheet and bake in the oven for 8 minutes at 392 Fahrenheit.

Step #6 – Once baked, remove the circles with the holes from the baking sheet and dip them still warm in a mixture of powdered sugar and the rest of the vanilla sugar.

Step #7 – Cover the full round cookies with the raspberry jelly and place the powder sugared circles on top of it.

Tastes delicious with a hot cup of coffee, hot chocolate or spiced tea!

Merry Christmas!

Image: Pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories, he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, has published his first novel “Kolja. Liebe im Feindesland” in 2016, available at Amazon. Some of his work has been included in anthologies.

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Dieter Kermas und sein neuer Roman “Kolja: Liebe im Feindesland”. Ein Interview.

Viele von uns erinnern sich noch an die ergreifenden Geschichten, die uns Dieter Kermas aus seiner Kindheit während des Krieges erzählte. Nach seinen Kindheitserinnerungen, die in Segmenten auf CaliforniaGermans in 2013 veröffentlicht wurden, erfreute uns Dieter Kermas an vielen Wochenenden mit seinen lustigen, manchmal auch nachdenklich stimmenden Kurzgeschichten und Gedichten.

Fans von Dieter Kermas können sich nun freuen, denn er hat seinen ersten Roman veröffentlicht!

Kolja: Liebe im Feindesland” von Dieter Kermas ist auf Amazon erhältlich.

Der wunderbar einfühlsam und spannend geschriebene Roman handelt von zwei jungen Leuten, Kolja, einem Russen und Lotte, einer jungen Berlinerin. Anstatt Feinde zu sein, verlieben sie sich ineinander. Der Liebe ist kein langes Glück gegönnt. Bei Ende des Krieges wird Kolja nach Russland zurückberufen und ein Wiedersehen scheint in unerreichbare Ferne gerückt zu sein.

Erst viele Jahre später nach dem Untergang der UdSSR ergibt sich die Möglichkeit zu einer Wiedervereinigung, die allerdings einen unerwarteten Vorfall mit sich bringt.

Ein Interview mit Dieter Kermas zu seinem Roman – Kolja: Liebe im Feindesland

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CaliforniaGermans: Dieter, wie kommt es, dass die Hauptfigur Ihres ersten Buches kein Deutscher ist, sondern ein Soldat, der sich sozusagen hinter feindlichen Linien befindet, aus deutscher Sicht gesehen?

Dieter Kermas:  Das Thema verlangte danach, sich mit dem Charakter des „Feindes“ zu befassen. Ich las deshalb Originalberichte ( d.h. die Übersetzungen) über russische Soldatenschicksale.

CG: Ende des Zweiten Weltkrieges waren Sie noch sehr jung und konnten Kolja’s Erfahrungen selbst nicht gemacht haben. Was hat sie zu den Figuren Kolja, dem jungen russischen Soldat, und Lotte, der jungen Berlinerin, inspiriert? Gibt es da autobiografische Elemente?

Dieter K. : Die Kriegsereignisse von 1939 bis 1945 habe ich recherchiert. Die Zeit des „Kalten Krieges“ habe ich allerdings selbst miterlebt und konnte für diese Zeit eigene Erfahrungen einfließen lassen.

Was autobiografische Elemente angeht… Für längere Zeit hatte ich eine enge Freundschaft mit einer russischen Studentin. Hier waren die Rollen jedoch vertauscht. Sie in Moskau, ich in Berlin.

CG: Was sehen Sie als die Quintessenz Ihres Buches?

Dieter K.: Es sollte nach den schrecklichen Ereignissen des WWII, eine Brücke zwischen Deutschland und Russland entstehen. Dazu eignete sich das Schicksal von zwei Liebenden.

Selbst die stärkste Liebe kann durch die unterschiedlichen Ideologien zweier Staaten scheitern.

CG: Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Schreibprozess . Wann haben Sie mit dem Schreiben Ihres Romans begonnen? Wann konnten Sie das vollendete Werk in Händen halten? Mussten Sie viel recherchieren?

Dieter K: Die Idee, die Liebe zweier Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu schildern, hatte ich bereits 2004. Der Auslöser hierfür war meine Freundschaft mit einer Russin, die ich bereits erwähnte. Handschriftlich hatte ich die Handlung bis Ende 2005 skizziert. Der Entwurf blieb allerdings bis 2012 unbearbeitet liegen! Ein Freund veranlasste mich letztendlich 2013 weiterzuschreiben. 

Die Recherchen über die Orte und Jahreszahlen der Kampfhandlungen zogen sich bis 2014 hin. Die Örtlichkeiten in Moskau hingegen kannte ich aus eigener Erfahrung. 2015 folgte dann noch eine Überarbeitung, sodass das Buch 2016 in Druck gehen konnte. Es war ein ausgesprochen tolles Gefühl mein erstes Buch in Händen zu halten.

CG: Was hat sich während des Schreibens von “Kolja” als schwierigeres Unterfangen herausgestellt?

Dieter K.: Gute Frage. Den Verlauf der Kämpfe zeitlich und örtlich korrekt zu schreiben, war tatsächlich nicht so einfach. Auch Koljas und Lottes Gefühle in dieser gefährlichen Zeit zu beschreiben, war eine delikate wenn auch reizvolle Herausforderung.

CG: Was hat Ihnen am meisten Spass macht, als Sie den Roman schrieben?

Dieter K. : Beim Schreiben erinnerte ich mich an viele schöne Erlebnisse, die ich vor vielen Jahren in Russland hatte.

CA: Sie sind ursprünglich Ingenieur, was oft als ein eher ‘trockener’ Beruf bezeichnet wird. Wie kamen Sie zum Schreiben? War das schon immer ein Teil von Ihnen?

Dieter K.: Der trockene Beruf war für den Broterwerb und ließ leider keine Zeit zum Schreiben zu. Zum Schreiben kam ich tatsächlich erst nach Berufsende.

In gemütlicher Runde mit Kollegen, oder Freunden, hatte ich immer lustige Geschichten aus meiner Kindheit, Reiseerlebnisse, oder auch Eindrücke von der Flucht erzählt. „Schreib doch die Geschichten auf!“, forderten sie mich immer wieder auf. Das war der Auslöser, mit dem Schreiben zu beginnen.

Anfangs waren es nur Kurzgeschichten und Gedichte, ehe ich mich an einen Roman wagte.

CA: Haben Sie ein Lieblingsbuch? Vielleicht ein Buch, das Sie zum Schreiben Ihres Romans anregte?

Dieter K.: Nein, es gab kein spezielles Buch, das mich zum Schreiben des Romans inspirierte. Mir fällt auch kein Lieblingsbuch ein, aber ich lese zum Beispiel gerne die Werke von Anton Tschechow, Edgar Allan Poe, Puschkin und Hemingway.

Meine Lieblingsbücher in der Kindheit waren die Indianergeschichten von Karl May, das Dschungelbuch von R. Kipling und die Reisegeschichten von Sven Hedin.

CG: Was bedeutet Schreiben für Sie? Ist es Entspannung pur oder eher kathartisch? Was reizt Sie, zur ‘Feder’ zu greifen?

Dieter K.: Es reizt mich aus der Fantasie heraus, Personen und Situationen in Geschichten einzubinden. Außerdem ist Schreiben entspannend und je nach Genre aufregend zugleich. Seelische Probleme muss ich damit nicht verarbeiten, dazu bin ich zu ausgeglichen.

CG: Schreiben Sie jeden Tag?

Dieter K.: Jeden Tag zu schreiben halte ich nicht für so zwingend notwendig, es sei denn es ist beruflich erforderlich. Wenn ein Teil der Handlung im Kopf fertig ist, kann es sein, dass ich mehrere Tage hintereinander diese zu Papier bringe. Es sollte Spaß machen und unter keinem Zeitdruck stehen.

CG: Was können wir als Nächstes von Dieter Kermas erwarten?

Dieter K.: Also, ich schreibe an einem neuen Roman. Der Handlungsablauf ist bereits fertig. Jetzt geht es an die Details. Er soll 2018 gedruckt werden.

CG: Dürfen wir wissen, in welche thematische Richtung Ihr neuer Roman gehen wird?

Dieter K.: Natürlich! Der zweite Roman sollte ursprünglich ein Abenteuerroman werden, so einer wie ich ihn in meiner Jugend gerne gelesen habe. Während der Ausarbeitung des Plots, kam ich aus heiterem Himmel auf die Idee, ein UFO auftauchen zu lassen. Danach drehte sich der Roman komplett in eine Scifi- Geschichte. Das erforderte nun ausgedehnte Recherchen über dieses Thema. Je länger ich an der Geschichte schrieb, desto mehr Spaß machte sie mir.

Hier ein kleiner ‘Teaser’: Der Roman beginnt auf einer Insel im  Pazifik. Der Hauptteil der Handlung spielt sich in einer deutschen Hafenstadt ab. Darüber hinaus werden einige Szenen in anderen Teilen der Welt geschildert. Zeit: 20. Jahrhundert. Thema: Die Menschheit steht am Abgrund ihrer Existenz.

CG: Dieter, wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg mit ‘Kolja’, sowie viel Spass beim Schreiben Ihres neuen Romans!

Kolja – Liebe im Feindesland von Dieter Kermas ist bei Amazon sowie bei anderen Anbietern vorerst nur in deutsch erhältlich:

https://www.amazon.de/Kolja-Liebe-Feindesland-Dieter-Kermas-ebook/dp/B01M9A95NM

 

Image: ©Dieter Kermas