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Dieter Kermas und sein neuer Roman “Kolja: Liebe im Feindesland”. Ein Interview.

Viele von uns erinnern sich noch an die ergreifenden Geschichten, die uns Dieter Kermas aus seiner Kindheit während des Krieges erzählte. Nach seinen Kindheitserinnerungen, die in Segmenten auf CaliforniaGermans in 2013 veröffentlicht wurden, erfreute uns Dieter Kermas an vielen Wochenenden mit seinen lustigen, manchmal auch nachdenklich stimmenden Kurzgeschichten und Gedichten.

Fans von Dieter Kermas können sich nun freuen, denn er hat seinen ersten Roman veröffentlicht!

Kolja: Liebe im Feindesland” von Dieter Kermas ist auf Amazon erhältlich.

Der wunderbar einfühlsam und spannend geschriebene Roman handelt von zwei jungen Leuten, Kolja, einem Russen und Lotte, einer jungen Berlinerin. Anstatt Feinde zu sein, verlieben sie sich ineinander. Der Liebe ist kein langes Glück gegönnt. Bei Ende des Krieges wird Kolja nach Russland zurückberufen und ein Wiedersehen scheint in unerreichbare Ferne gerückt zu sein.

Erst viele Jahre später nach dem Untergang der UdSSR ergibt sich die Möglichkeit zu einer Wiedervereinigung, die allerdings einen unerwarteten Vorfall mit sich bringt.

Ein Interview mit Dieter Kermas zu seinem Roman – Kolja: Liebe im Feindesland

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CaliforniaGermans: Dieter, wie kommt es, dass die Hauptfigur Ihres ersten Buches kein Deutscher ist, sondern ein Soldat, der sich sozusagen hinter feindlichen Linien befindet, aus deutscher Sicht gesehen?

Dieter Kermas:  Das Thema verlangte danach, sich mit dem Charakter des „Feindes“ zu befassen. Ich las deshalb Originalberichte ( d.h. die Übersetzungen) über russische Soldatenschicksale.

CG: Ende des Zweiten Weltkrieges waren Sie noch sehr jung und konnten Kolja’s Erfahrungen selbst nicht gemacht haben. Was hat sie zu den Figuren Kolja, dem jungen russischen Soldat, und Lotte, der jungen Berlinerin, inspiriert? Gibt es da autobiografische Elemente?

Dieter K. : Die Kriegsereignisse von 1939 bis 1945 habe ich recherchiert. Die Zeit des „Kalten Krieges“ habe ich allerdings selbst miterlebt und konnte für diese Zeit eigene Erfahrungen einfließen lassen.

Was autobiografische Elemente angeht… Für längere Zeit hatte ich eine enge Freundschaft mit einer russischen Studentin. Hier waren die Rollen jedoch vertauscht. Sie in Moskau, ich in Berlin.

CG: Was sehen Sie als die Quintessenz Ihres Buches?

Dieter K.: Es sollte nach den schrecklichen Ereignissen des WWII, eine Brücke zwischen Deutschland und Russland entstehen. Dazu eignete sich das Schicksal von zwei Liebenden.

Selbst die stärkste Liebe kann durch die unterschiedlichen Ideologien zweier Staaten scheitern.

CG: Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Schreibprozess . Wann haben Sie mit dem Schreiben Ihres Romans begonnen? Wann konnten Sie das vollendete Werk in Händen halten? Mussten Sie viel recherchieren?

Dieter K: Die Idee, die Liebe zweier Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu schildern, hatte ich bereits 2004. Der Auslöser hierfür war meine Freundschaft mit einer Russin, die ich bereits erwähnte. Handschriftlich hatte ich die Handlung bis Ende 2005 skizziert. Der Entwurf blieb allerdings bis 2012 unbearbeitet liegen! Ein Freund veranlasste mich letztendlich 2013 weiterzuschreiben. 

Die Recherchen über die Orte und Jahreszahlen der Kampfhandlungen zogen sich bis 2014 hin. Die Örtlichkeiten in Moskau hingegen kannte ich aus eigener Erfahrung. 2015 folgte dann noch eine Überarbeitung, sodass das Buch 2016 in Druck gehen konnte. Es war ein ausgesprochen tolles Gefühl mein erstes Buch in Händen zu halten.

CG: Was hat sich während des Schreibens von “Kolja” als schwierigeres Unterfangen herausgestellt?

Dieter K.: Gute Frage. Den Verlauf der Kämpfe zeitlich und örtlich korrekt zu schreiben, war tatsächlich nicht so einfach. Auch Koljas und Lottes Gefühle in dieser gefährlichen Zeit zu beschreiben, war eine delikate wenn auch reizvolle Herausforderung.

CG: Was hat Ihnen am meisten Spass macht, als Sie den Roman schrieben?

Dieter K. : Beim Schreiben erinnerte ich mich an viele schöne Erlebnisse, die ich vor vielen Jahren in Russland hatte.

CA: Sie sind ursprünglich Ingenieur, was oft als ein eher ‘trockener’ Beruf bezeichnet wird. Wie kamen Sie zum Schreiben? War das schon immer ein Teil von Ihnen?

Dieter K.: Der trockene Beruf war für den Broterwerb und ließ leider keine Zeit zum Schreiben zu. Zum Schreiben kam ich tatsächlich erst nach Berufsende.

In gemütlicher Runde mit Kollegen, oder Freunden, hatte ich immer lustige Geschichten aus meiner Kindheit, Reiseerlebnisse, oder auch Eindrücke von der Flucht erzählt. „Schreib doch die Geschichten auf!“, forderten sie mich immer wieder auf. Das war der Auslöser, mit dem Schreiben zu beginnen.

Anfangs waren es nur Kurzgeschichten und Gedichte, ehe ich mich an einen Roman wagte.

CA: Haben Sie ein Lieblingsbuch? Vielleicht ein Buch, das Sie zum Schreiben Ihres Romans anregte?

Dieter K.: Nein, es gab kein spezielles Buch, das mich zum Schreiben des Romans inspirierte. Mir fällt auch kein Lieblingsbuch ein, aber ich lese zum Beispiel gerne die Werke von Anton Tschechow, Edgar Allan Poe, Puschkin und Hemingway.

Meine Lieblingsbücher in der Kindheit waren die Indianergeschichten von Karl May, das Dschungelbuch von R. Kipling und die Reisegeschichten von Sven Hedin.

CG: Was bedeutet Schreiben für Sie? Ist es Entspannung pur oder eher kathartisch? Was reizt Sie, zur ‘Feder’ zu greifen?

Dieter K.: Es reizt mich aus der Fantasie heraus, Personen und Situationen in Geschichten einzubinden. Außerdem ist Schreiben entspannend und je nach Genre aufregend zugleich. Seelische Probleme muss ich damit nicht verarbeiten, dazu bin ich zu ausgeglichen.

CG: Schreiben Sie jeden Tag?

Dieter K.: Jeden Tag zu schreiben halte ich nicht für so zwingend notwendig, es sei denn es ist beruflich erforderlich. Wenn ein Teil der Handlung im Kopf fertig ist, kann es sein, dass ich mehrere Tage hintereinander diese zu Papier bringe. Es sollte Spaß machen und unter keinem Zeitdruck stehen.

CG: Was können wir als Nächstes von Dieter Kermas erwarten?

Dieter K.: Also, ich schreibe an einem neuen Roman. Der Handlungsablauf ist bereits fertig. Jetzt geht es an die Details. Er soll 2018 gedruckt werden.

CG: Dürfen wir wissen, in welche thematische Richtung Ihr neuer Roman gehen wird?

Dieter K.: Natürlich! Der zweite Roman sollte ursprünglich ein Abenteuerroman werden, so einer wie ich ihn in meiner Jugend gerne gelesen habe. Während der Ausarbeitung des Plots, kam ich aus heiterem Himmel auf die Idee, ein UFO auftauchen zu lassen. Danach drehte sich der Roman komplett in eine Scifi- Geschichte. Das erforderte nun ausgedehnte Recherchen über dieses Thema. Je länger ich an der Geschichte schrieb, desto mehr Spaß machte sie mir.

Hier ein kleiner ‘Teaser’: Der Roman beginnt auf einer Insel im  Pazifik. Der Hauptteil der Handlung spielt sich in einer deutschen Hafenstadt ab. Darüber hinaus werden einige Szenen in anderen Teilen der Welt geschildert. Zeit: 20. Jahrhundert. Thema: Die Menschheit steht am Abgrund ihrer Existenz.

CG: Dieter, wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg mit ‘Kolja’, sowie viel Spass beim Schreiben Ihres neuen Romans!

Kolja – Liebe im Feindesland von Dieter Kermas ist bei Amazon sowie bei anderen Anbietern vorerst nur in deutsch erhältlich:

https://www.amazon.de/Kolja-Liebe-Feindesland-Dieter-Kermas-ebook/dp/B01M9A95NM

 

Image: ©Dieter Kermas


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“Musikalisch” oder Mord im Konzertsaal

Musikalisch

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
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Unsere Familie, so darf ich mit bescheidenem Stolz feststellen, kann auf eine viele Jahrzehnte erfolgreiche Musikerziehung zurückblicken. Doch zuerst möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Ludwig Anobium Punctatum.

Sie dürfen mich, der Einfachheit halber, jedoch Ludwig nennen. Sicher ist ihnen im Zusammenhang mit dem Namen Ludwig und bei meiner Erwähnung der Musikerziehung, der Gedanke gekommen, meine Mutter hätte da an meinen Namensvetter Ludwig van Beethoven gedacht. Fürwahr, er stand Pate für meinen Namen.

Ich sehe es an ihrem fragenden Gesichtsausdruck, sie hätten gerne gewusst, wer sich hinter meinem, so Ehrfurcht gebietendem Namen verbirgt. Nun, ein wenig muss ich sie jetzt enttäuschen. Im allgemeinen Sprachgebrauch zähle ich zur Familie der Holzwürmer. Bitte wenden sie sich nicht entsetzt ab. Hören sie lieber meine Geschichte.

Etliche Generationen vor mir gelang es meiner Urururgroßmutter ihre Nachkommen in einem Konzertflügel unterzubringen. Dieser stand, sie ahnen es bereits, im Hause der Familie Beethoven.

Anfangs erschraken ihre Nachkommen, wenn die ersten Akkorde das Holz zum Vibrieren brachten. Allmählich jedoch fanden sie Gefallen an den Melodien und richteten ihre Mahlzeiten danach. Sobald die ersten Tastentöne erklangen, hörten sie auf zu nagen und lauschten der Musik. Für das Fressen blieb die lange Nacht über Zeit genug. So wuchsen viele Generationen meiner Familie musikalisch gebildet auf.

Hochbeglückt, in dieser Umgebung aufwachsen zu dürfen, vermieden sie es, mehr als unbedingt nötig, den Flügel zu zerfressen. Sobald eine Generation zu zahlreich angewachsen war, musste sie aus diesem Grund, bis auf einen von ihnen,  die Unterkunft verlassen. Der Verbleibende kam nun weiterhin in den Genuss, sich musikalisch weiterzubilden.

Wie schön wäre es gewesen, wäre es so weitergegangen.

Eines Tages jedoch entdeckte die Haushälterin das feine Holzmehl, das meine Vorfahren erzeugt hatten. Sofort wurde der Flügel untersucht, der Befall festgestellt und das Instrument kurzerhand verkauft.

Nach Monaten in einem Lagerhaus, die verbliebenen Verwandten  hatten, bereits entmutigt, überlegt das Instrument zu verlassen, fand sich glücklicherweise ein junger Pianist als Käufer, und der Flügel wurde zu ihrer Überraschung auf die Bühne eines bekannten Konzertsaals transportiert.

Voller Hoffnung warteten meine Vorfahren auf die ersten Töne des Pianisten. Dieser, ein auf sein Talent über Gebühr eingebildeter junger Mann, verursachte bei den ersten Akkorden einen Schauder des Entsetzens bei meinen Familienmitgliedern. Sie waren durch ihre Generationen im Hause Beethoven so musikalisch hochgebildet, dass sie sich am liebsten die Ohren, sofern vorhanden, zugehalten hätten.

Nach ihrer Überzeugung wurde der Genialität des verehrten Komponisten nicht genug Können und Einfühlungsvermögen entgegengebracht.

Diesem Treiben musste Einhalt geboten werden. Da waren sie sich einig.

Tagelang berieten sie, wie es ihnen gelingen könnte, dies zu verwirklichen. Schlussendlich wählten sie eine Methode, die ihnen subtil und trotzdem todsicher erschien. Hierfür begannen sie, einige Vorbereitungen zu treffen.

Sie wählten einen Tag, an dem der mäßig begabte Virtuose sein erstes großes Konzert vor einem ausgesuchten Publikum zu geben gedachte. Der Premierenabend war gekommen und der Saal mit erwartungsvollen Besuchern bis zum letzten Platz besetzt.

Der Künstler, nennen wir ihn der Einfachheit halber beim Vornamen Johann, also Johann schritt zum Flügel, verbeugte sich artig, und begannzu spielen. Zum Erstaunen vernahmen meine Vorfahren in den Pausen leises Räuspern, Hüsteln und auch leichtes Füßescharren.

Sie interpretierten dies mit dem Unwillen des Publikums über die dargebotene Leistung. Das bestätigte sie erneut darin, die richtigen Schritte unternommen zu haben. Johann griff in die Tasten und begann die 5. Sinfonie zu spielen. Der Name Schicksalssymphonie wies bedeutungsschwer auf das Kommende hin.

Zuerst vernahmen die Besucher in der ersten Reihe einen kurzen, dumpfen Laut aus dem Inneren des Flügels. Kurz darauf erstarrte Johann beim Anschlag einer bestimmten Taste. Sie erzeugte keinen Ton. Etwas schien im Inneren des Flügels gerissen zu sein. Er sprang hektisch auf, verbeugte sich, eilte auf die Rückseite des Musikinstruments und wuchtete den schweren Deckel des Flügels hoch und arretierte ihn mit dem dafür vorgesehenen hölzernen Stab.

Tief beugte er seinen Kopf in das Innere, um die Ursache für den Fehler zu finden. Gebannt schauten die Konzertgäste auf das weitere Geschehen. Zuerst jedoch hörten sie, zwar sehr leise, aber dennoch gut vernehmbar, ein Knistern aus der Richtung des Flügels.

Dann gellte ein vielstimmiger Schrei aus dem Publikum. Der hölzerne Stab war eingeknickt und der schwere Deckel des Flügels war herabgefallen. Er hatte den Kopf des Pianisten so heftig getroffen, dass dieser tief ins Innere des Instruments gedrückt wurde. Hierbei kam der Hals des Opfers auf die schmale Kante des Pianokörpers zu liegen. Die Wucht des Deckels zerquetschte augenblicklich den Hals, sodass der Mann leblos wie eine Fliege an der Seite des Flügels hing. Seine Knie befanden sich in der Luft, während seine kurz zuvor noch wild rudernden Arme nun schlaff seitlich herunterbaumelten.

Die tagelangen Nagearbeiten am Arretierungsstab und an der Befestigung der Klaviersaite waren somit erfolgreich gewesen. Die Ehre für die Verunglimpfung der göttlichen Musik Ludwig van Beethovens war damit für sie wieder hergestellt.

Sie hofften, dass man den Flügel als Tatwerkzeug in die Asservatenkammer der Kriminalpolizei brächte und kein stümperhafter Pianist die Möglichkeit mehr bekäme die Meisterwerke zu entweihen.

©Dieter Kermas

Image:  pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories, he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, has published his first novel “Kolja. Liebe im Feindesland” in 2016, available at Amazon. Some of his work has been included in anthologies.

To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subject line “Dieter Kermas” to californiagermans@gmail.com
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Gunter (Ein Gedicht)

Gunter

(Ein Gedicht von Dieter Kermas)
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Ein kleiner Hering namens Gunter,
war wissbegierig und recht munter.
So fand er auf dem Meeresgrund,
´ne schöne Dose, blank und rund.
Das Bett ist nur für mich allein,
so dachte er, und legt sich rein.
Und Gunter lag, ganz ohne Arg,
in einem leeren Heringssarg.
Auf der Dose, es war ´ne große,
stand „Hering in Tomatensoße.“
Man fingt ihn ein, den Gunter,
nun war er nicht mehr munter.
Auf der Dose, es war ´ne große,
stand „Gunter in Tomatensoße.“

©Dieter Kermas

Image:  pixabay.com

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Mondschein

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Mondschein

(Ein Gedicht von Dieter Kermas)

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Ach wie schön war doch die Feier,

heimwärts schwankt der volle Meier.

Und des Vollmonds helles Licht

scheint Herrn Meier ins Gesicht.

Doch zu Meiers großem Schreck

ist das Mondlicht plötzlich weg.

Um ihn ist es stockedunkel,

´ne Wolke schluckt das Sterngefunkel.

Da schleichen Schritte auf ihn zu.

Vorbei ist´s mit Herrn Meiers Ruh.

Panisch hetzt er durch die Nacht.

Ein Schlag trifft ihn mit aller Macht.

Nun sieht er wieder viele Sterne.

Doch dran ist schuld nur die Laterne,

die in dieser Nacht nicht brannte,

wo Meier flott dagegenrannte.

Sein Feierfreund kam kurz darauf

und fiel auch noch auf Meier drauf.

So liegen sie im Suff vereint,

wie schön, dass nun der Mond erscheint.

 

©Dieter Kermas

Image:  pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories, he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, has published his first novel “Kolja. Liebe im Feindesland” in 2016, available at Amazon . Some of his work has been included in anthologies.

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Der Kalte Keller – Eine Gruselgeschichte zu Halloween

DER KALTE KELLER

(Eine Gruselgeschichte von Dieter Kermas)
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Die Frühjahrssonne erhellte mit ihren wärmenden Strahlen unser Montagebüro. Durch das große Südfenster fiel mein Blick auf das emsige Treiben auf der Hardenbergstraße in Berlin – Charlottenburg.

Dienstags bis freitags hätte die Sonne sicher unsere Laune und unseren Arbeitseifer günstig beeinflusst. Doch heute war es Montag. Aus Erfahrung wussten wir, dass heute das Klingeln der Telefone meist unangenehme Nachrichten bedeutete.

Baustellen hatten kein Material bekommen, ein Lastwagen mit dringend benötigten Dämmpaneelen war bei Braunschweig in den Graben gefahren und der technische Leiter einer Filialkette schnaubte erbost, dass sich die Tür zum Tiefkühlraum nicht öffnen ließe und somit keine Ware für den Verkauf zur Verfügung stünde.

Diese Gedanken gingen mir durch den Sinn, als mein Telefon loslärmte.

Mein Gesprächspartner hatte keine Hiobsbotschaft zu verkünden. Er wollte mich noch heute wegen eines Angebotes sprechen. Freudig erregt sagte ich, ich sei bereits auf dem Weg zu ihm. Ich warf mich in meinen Trenchcoat, beeilte mich das Büro zu verlassen und floh so vor den üblichen Montagsüberraschungen.

Der Weg zu dem alten Krankenhaus war nicht weit und so war der Anrufer recht erstaunt, als ich kurz danach in seinem Büro in der technischen Abteilung auftauchte.

Mit kurzen Worten erklärte er mir den Grund seines Anrufs. Die Kosten für auszuführende Reparaturarbeiten sollte ich ihm als Angebot einreichen.

Beim Hinausgehen fragte ich noch, in welchem Gebäude ich mir die auszuführenden Arbeiten ansehen könnte. „Sie kennen sich doch hier gut aus“, rief er mir zu, “die Pathologie finden Sie sicher alleine.“

Aha, die Pathologie, dachte ich und lief etwas langsamer. Ich war früher bereits einmal in diesem uralten, muffigen Kellergewölbe gewesen. Das Gemäuer stammte sicher noch aus der Zeit um 1900.

Ich stieg die ausgetretenen Stufen hinab. Liebe Sonne ade, der Hades wartet auf mich. Ein Lufthauch wehte mir entgegen, als ich die erste Kellertür öffnete. Nun atmete ich dumpfe Kellerluft gemischt mit dem Geruch von Desinfektionsmitteln ein.

Im Halbdunkel tappte ich den Mittelgang in Richtung einer stärkeren Lichtquelle.

Ehe sich meine Augen an das hellere Licht gewöhnt hatten, tauchte eine kleine, gedrungene Gestalt vor mir auf. Dann erkannte ich den Zerberus dieser Gruft.

Ein ehemals weißer Kittel, jetzt mit undefinierbaren Flecken übersät, spannte sich über seinem kleinen Spitzbauch. Trotz des angefressenen Zigarrenstummels in seinem Mund quetschte er eine Begrüßung hervor. „Kommen Sie bitte, ich zeige Ihnen die beschädigten Fliesen und die abgerissenen Türdichtungen, die erneuert werden müssen“, murmelte er etwas undeutlich.

Hier möchte ich kurz den Raum beschreiben, in dem wir uns befanden. Die Wände und der Boden waren gefliest. Eine Wand aus Dämmpaneelen teilte den Raum in seiner Länge. In dieser Wand befand sich eine Tür neben der anderen. Es waren zehn Türen.

Hinter jeder dieser Türen lag eine Leiche auf einer fahrbaren Bahre.

Mit den Worten: „Ich lasse Sie jetzt alleine“, entschwand der Kellergeist.

Also Taschenlampe angeknipst, Notizblock, Zollstock und Stift in die Hände genommen und rein in die erste Tür. Der anfangs beschriebene Geruch schlug mir nun verstärkt entgegen. Ich meinte noch einen weiteren Bestandteil in der Luft zu riechen, doch wollte ich darüber lieber nicht nachdenken. Die Bahre mit der Leiche etwas zur Seite gedrückt, und mich vorbeigequetscht. Beschädigte Wand-und Bodenfliesen notiert und auf der Rückseite des Raumes weitergeschlichen.

Die Kühlanlage sprang plötzlich klappernd an und verwirbelte den durchdringenden Geruch im Raum. Zwischen jeder Bahre zur Tür gedrängelt, um die Dichtungen zu kontrollieren. Mein Gott war das eng hier, dachte ich. Um zu messen, musste ich mein Notizbuch mit dem Kuli auf einer der Bahren ablegen.

Lieber Leser, hier muss ich leider eine Illusion zerstören. Die Leichen liegen nicht, wie oft in den Krimifilmen dargestellt, sauber abgedeckt und ordentlich gekämmt da.

Nein, hier lagen die Körper, so wie sie gestorben waren, nackt und oft noch mit den Spuren der vergeblichen Operationen auf den Unterlagen. Aufgedunsene Bäuche mit gelber Desinfektionsfarbe und grob vernähte Schnitte sind sicher kein schöner Anblick. Ich war heilfroh, kein Kind zu entdecken.

Ich bückte mich, nahm an der Tür Maß von oben nach unten, streckte mich und wollte die Maße in mein Notizbuch eintragen. Da blieb meine ausgestreckte Hand wie erstarrt in der Luft stehen. Etwas hielt mich hinten am Trenchcoat fest. Ich hielt die Luft an und fasste nach hinten. Meine Hand berührte einen kalten Fuß, dessen Zeh sich im Gürtel des Mantels verhakt hatte. Ich zerrte am Gürtel und kam frei.

Durch den Ruck stieß ich gegen die andere Bahre, worauf mein dort abgelegter Kugelschreiber unter den dort liegenden Körper rollte. Mit der Taschenlampe geleuchtet und mit spitzen Fingern den Kuli wieder hervorgeholt.

Die letzten Maße waren eher geschätzt als gemessen. Nur raus hier, war mein Gedanke.

Ich drängelte mich wieder bis zur ersten Tür durch und begab mich zum Herrn der Toten. Ich entdeckte ihn in seinem kleinen Aufenthaltsraum, der von Zigarrenqualm zugenebelt war. Jetzt eine Zigarette dachte ich und kramte die Schachtel aus meinem Mantel. So saßen wir eine Weile schweigend und rauchend, ehe wir auf den Montageablauf zu sprechen kamen.

Er sah auf seine Uhr, meinte es wäre Zeit für sein Frühstück und ging zu einem kleinen Kühlschrank, der vor dem Raum an der gegenüberliegenden Wand stand.

Mehr zufällig als neugierig sah ich, wie er ein in Pergamentpapier eingewickeltes Päckchen zurückbrachte, es öffnete und in eine Stulle biss. Doch was enthielten die Plastikbeutel, die ich neben seinen Stullen im Kühlschrank gesehen hatte?

Ich fragte. Noch kauend verstand ich, dass es entnommene Organe und andere Teile seien, die er für die Studenten, oder auch für ergänzende Untersuchungen aufbewahrte. Es würgte in meiner Kehle.

Ein Geräusch ließ uns in Richtung einer Tür blicken, die ich vorher nicht bemerkt hatte. Zwei schwarz gekleidete Männer schoben fast würdevoll einen Sarg, der auf einer fahrbaren Unterlage ruhte, in den Keller. Sie nahmen den Sargdeckel ab und legten ihn auf den Boden. Das kauende Unikum rief den beiden Beerdigungskräften zu, dass sie den Gesuchten hinter Tür Nr. 5 fänden.

Wie gebannt verfolgte ich den weiteren Ablauf. Sie zogen die männliche Person, es war die, die sich in meinem Gürtel verfangen hatte, mit der Bahre neben ihren Sarg. Dann packte einer die Füße und der andere fasste unter die Arme der mageren Leiche. Der am Kopfende zählte „eins, zwei und drei“ und mit Schwung flog der alte Mann in den offenen Sarg. Es polterte wie ein Sack Kartoffeln. Der Deckel wurde aufgelegt und sie verschwanden.

Es ist jetzt höchste Zeit ebenfalls zu verschwinden, überlegte ich, verabschiedete mich vom Herrscher der Unterwelt und stürzte ins Freie, in die frische Luft.

Nach diesem Erlebnis empfand ich den Lärm und die Hektik in unserem Büro wie eine Wohltat und langsam entspannten sich meine Nerven.

©Dieter Kermas

Image:  pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories, he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

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