Tag Archives: Dieter Kermas

MUT

Mut

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
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Der Wetterbericht versprach einen sonnigen, warmen Sommertag.
Es war noch recht früh am Morgen. Lange nicht Rad gefahren, dachte ich.
Nach einem kurzen, heftigen Kampf, den inneren Schweinehund besiegt und den Drahtesel aus seinem Tiefschlaf geweckt.
Luftdruck geprüft, nachgepumpt. Bremsen geprüft, nachgestellt.
Hosenklammern angelegt.
Nun konnte es losgehen.

Zuerst fuhr ich in Richtung Teltowkanal. Den Uferweg musste ich mir mit Joggern, Hundebesitzern und Spaziergängern teilen. Nach unfallfreier Umkurvung dieser teils unberechenbaren Hindernisse, bekam ich Lust auf eine Pause.
Zwei Kilometer weiter fand ich eine Uferböschung, die zur Rast einlud.
Rad gesichert und mich auf dem warmen Sonnenplätzchen langgemacht.
Für den ersten Ausflug nach der langen Pause, so dachte ich, wäre es nun Zeit den Heimweg anzutreten.

Um den Weg bis nach Hause möglichst autostraßenfrei zurückzulegen, wählte ich eine Strecke durch den Steglitzer Stadtpark.
Wie am Kanal, so tummelten sich hier wiederum die oben beschriebenen Hindernisse. Kinderscharen erschwerten zusätzlich ein flottes Vorankommen.
Nun, ich hatte ja Zeit und konnte den kurzen Rest des Weges im langsamen Tempo hinter mich bringen.
Ein schwarzes, flatterndes Etwas versuchte von rechts nach links an meinem Rad vorbei zu flüchten. Ich hielt sofort an, stieg ab und sah genauer hin.
Das könnte eine junge Krähe sein, stellte ich fest. Wohl zu früh aus dem Nest gefallen, war mein zweiter Gedanke. Hat die Flugprüfung wohl nicht bestanden, konstatierte ich.
Mach´ s gut, und suche lieber deine Eltern, wollte ich noch rufen, als ein lautes, hechelndes Japsen mein Ohr erreichte.
Ich drehte mich um. Liebe kleine Krähe, jetzt kommen ernste Probleme auf dich zu, dachte ich sofort.

Ein weißer, braun und schwarz gefleckter Terrier rannte bellend hinter einem kleinen Jungen her, der mit seinem Roller, laut „Mama“ rufend, dem jagdeifrigen Hund zu entkommen suchte. Den bittenden Zuruf der besorgten Mutter ignorierte die Hundebesitzerin und ließ ihren Liebling sich ungehindert austoben. Erst nachdem die Mutter des kleinen Jungen dem Hund mit der Handtasche drohte, ließ er ab, um dann nach neuen jagdbaren Lebewesen zu suchen.

Es konnte sich nur um Sekunden handeln, und die junge Krähe wäre sein nächstes Opfer geworden. Der Ausgang dieser Begegnung war mir vollkommen klar. Im Geist sah ich bereits den zerfledderten Körper des jungen Vogels.
Jetzt musste ich schnell handeln und in das Geschehen eingreifen.
Rad hingelegt. Der noch recht flinken Krähe nachgeeilt und nach einigen Fehlversuchen erwischt. Voller Angst schrie die kleine Krähe markerschütternd in meinen Händen.
Wohin mit ihr, dachte ich. Da bot sich eine sehr dicht zugewachsene Eibe als Versteck an.
Ein paar Schritte und ich steckte das unablässig schreiende Bündel zwischen die Zweige, so hoch es ging. Dort krallte sich das Häufchen Unglück sogleich an einem Ast fest.
Anstatt nun dankbar den Schnabel zu halten, lärmte das kleine Biest ohne Pause weiter.
Schrei nur solange du willst, dachte ich und kletterte wieder auf mein Rad.

Dann ging alles sehr schnell. Ein Rauschen über mir und ein wütendes, heiseres Krächzen drang an meine Ohren. Ehe ich wusste, was los war, spürte ich einen heftigen Flügelschlag an meinem Kopf und gleichzeitig fuhren spitze Krallen durch meine Haare, so dass diese nach vorne gekämmt wurden.
Die Elternkrähen hatten mich zum Feind ihres Sprösslings erklärt und attackierten mich mutig und gnadenlos. Während eine Krähe abdrehte und, so vermutete ich, zum Jungvogel flog, setzte die zweite Krähe erneut zum Sturzflug an. Zuerst wollte ich nach dem Vogel schlagen, hätte aber dabei eventuell die Balance verloren. Also duckte ich mich. Nun aber so schnell wie möglich weg von hier, dachte ich und trat heftig in die Pedalen. Nun ist es leider nicht möglich in voller Flucht, beide Hände am Lenker zu halten und auch noch den Angriff des Vogels abzuwehren. So duckte ich mich noch tiefer und floh so schnell ich treten konnte. Als die Entfernung zur jungen Krähe dem Elternvogel groß genug erschien, ließ er von mir ab und verschwand.

Nachdem nun alles vorüber war, hielt ich an und sah zurück. Erleichtert stellte ich fest, dass der Terrier mit seinem Frauchen in einen anderen Weg abgebogen war und keine Gefahr mehr für den Jungvogel darstellte.
Die Krähen umflogen die Eibe und kümmerten sich um ihren Nachwuchs.
Langsam sammelte ich mich wieder und schwor, in meiner anfänglichen Aufregung, den Krähen ewige Fehde.
Doch bald wandelte sich meine Wut in große Achtung vor dem Mut der Vögel, die ohne Rücksicht auf die Folgen angegriffen hatten.

Den Film „Die Vögel“ von Hitchcock, sehe ich seit diesem Tage mit ganz anderen Augen.

©Dieter Kermas

Image:  Wikimedia -Theatrical poster for the film The Birds (1963)

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subjectline “Dieter Kermas” to: californiagermans@gmail.com
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Ein Mord(s)igel

Ein Mord(s)igel

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
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Die Dämmerung senkte sich über die Landschaft. Die Vögel suchten sich einen Rastplatz für die Nacht, Insekten verkrochen sich, um nicht auszukühlen und die Blüten schlossen die Kelche.
Es war Wachablösung in der Natur.
Katzen verließen ihren warmen Schlafplatz und schlichen aus dem Haus, Mäuse begannen ihre nächtlichen Wanderungen und die Fledermäuse schwangen sich in den Abendhimmel, um Nachtinsekten zu jagen.

Versteckt unter einem Brombeerstrauch streckte und reckte sich Alois der Igel. Sein Blick ruhte kurz auf der Igelin und den vier winzigen Kindern, die zusammengekuschelt noch schliefen. Seine Nachkommenschaft hatte er zufällig auf seinen nächtlichen Wanderungen entdeckt. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Igel, kaum dass sie eine Partnerin gefunden haben, kurz darauf als Einzelgänger ihres Weges gehen müssen.
Heute werde ich einen anderen Weg als sonst einschlagen, beschloss er und trippelte in Richtung Landstraße, die ihn von den Wiesen trennte.
Sssit, sssit, sssit, so rauschte der Feierabendverkehr an ihm vorbei. Und Alois wartete.
Erst spät, als die Chance größer war, den Fahrdamm lebend zu überqueren, stand er auf und schaute nach den Lichtern, die den Tod brachten. Viele seiner Artgenossen hatten es nicht geschafft, die andere Straßenseite zu erreichen.
Er hatte gelernt, wann er es wagen konnte loszulaufen, um auf der andere Seite heil anzukommen..

So auch heute. Von beiden Seiten näherten sich keine Lichter und so rannte er los. Mit klopfendem Herzen schaffte er es. Sein Schwung war so groß, dass er in den Straßengraben kullerte und atemlos liegen blieb.
Diesen gefahrvollen Weg nahm er auf sich, weil er hier auf der Wiese die fettesten Regenwürmer und die knackigsten Käfer erbeuten konnte.
Er wuselte bedächtig durch das hohe Gras, ließ sich einen eingeschlafenen Heuhüpfer, eine fette Raupe und einen mindestens fünfzehn Zentimeter langen Regenwurm schmecken.

Er trippelte den Fußweg entlang, der zum Dorf führte und auf dem er sicher sein konnte, einige Schnecken als Nachtisch zu finden.
Ein wenig vorsichtig musste er schon sein, hier ohne Deckung durch das Gras. Katzen brauchte er nicht zu fürchten und auch Meister Reinecke hatte sich eine blutige Nase an seinen Stacheln geholt. Sollte er jedoch einem Dachs begegnen, so standen seine Chancen schlecht, denn dieser hatte eine Jagdmethode, gegen die er sich nicht wehren konnte. Auch einen gefährlichen Uhu gab es in dieser Gegend nicht und so marschierte er, satt und zufrieden, zurück zur Straße.

Am Straßenrand sah er hinüber zur gegenüberliegenden Seite, weil sich dort etwas bewegte. Ja tatsächlich, er erkannte die Igelin mit den Kindern, die sich anschickten, die Straße zu überqueren.
Sie hatten fast die Mitte der Fahrbahn erreicht, als sich ein Motorrad mit zwei johlenden jungen Männern näherte.
»Das schaffst Du nie, den Igel zu erwischen«, hörte Alois den Burschen auf dem Rücksitz rufen.
»Wenn´s weiter nichts ist, pass auf, so geht´s«, schrie dieser zurück und lenkte geradewegs auf das Tier zu. Es gab nur ein leises, schmatzendes Geräusch, als das Vorderrad die Igelin überfuhr.
»Jetzt wird es schwieriger«, grölte der Fahrer, »die anderen sind ganz schön klein.« Er wendete und setzte erneut zur Jagd an.

Die vier Igelchen saßen wie erstarrt mitten auf der Fahrbahn, sodass es kein Kunststück war, in aller Ruhe die Tiere anzuvisieren. Drei erwischte der Fahrer beim ersten Anlauf. Das vierte Igelkind erhielt nur einen Schubs, wobei es sich die Hinterbeine brach, in den Graben geschleudert wurde und einige Zeit darauf verendete.
Voll zufrieden mit ihrer Heldentat, brauste der Motorradfahrer mit seinem Kumpan laut lachend zurück ins Dorf.
Alois saß wie erstarrt am Straßenrand.
Nach und nach wich die Starre und er rannte, so schnell ihn seine kurzen Beinchen trugen, hinüber zum Waldrand. Diesen Anblick würde er seinen Lebtag nicht vergessen.

Ein paar Tage später traf er auf einen Igel, der unvermutet in seinem Revier auftauchte.
Sie liefen kurz nebeneinander her, wobei Alois erst ein Fauchen und dann ein knurrendes Geräusch von sich gab, um den Eindringling zu vertreiben. Das wirkte und der Gegner lief auf die Straße.
In diesem Augenblick hörte Alois ein Motorrad kommen. Es waren wieder die beiden Burschen, denen es sichtlich eine Mordsgaudi war, Igel zu überfahren. Im nächsten Moment war es auch schon geschehen. Der fremde Igel lag flach gefahren am Straßenrand.
Alois wünschte, es gäbe eine gerechte Strafe für diese Freveltat und verzweifelte bei dem Gedanken, nichts tun zu können.

Eines Abends, er war am Wiesenrand unterwegs, fand Alois ein Nest mit sechs kleinen, nackten Mäuslein. Da hab ich aber heute Glück, dachte er und wollte gerade das erste Mäuslein packen, um es zu verspeisen. Plötzlich blendete ein helles Licht seine Augen. War das etwa ein Auto, das hier entlangfuhr, ging es ihm durch den Sinn. Doch er konnte kein Motorgeräusch vernehmen. Vielmehr hörte er eine helle, sanfte Stimme, die zu ihm sprach: »Wenn Du die Mäuslein verschonst, dann hast Du drei Wünsche frei.«
Er kniff die Augen zusammen, um deutlicher zu sehen, wer oder was das war, das da sprach.
Verwirrt sah er eine lichtumflutete Gestalt, die wie eine Maus aussah. Bei näherem Hinsehen entdeckte er, dass sie zwei Flügel hatte und so einer leuchtenden Fledermaus ähnelte.
»Äh, wie, ich, was soll ich mir denn wünschen?«, fragte er, wobei seine Gedanken wirr im Kopf herumsausten.
»Überlege nicht zu lange«, mahnte die Elfenmaus, wobei ihr Leuchten bereits etwas schwächer wurde.
Plötzlich fielen ihm die Burschen auf dem Motorrad ein, die soviel Leid über die Igel gebracht hatten.
Er dachte an seine Rachegefühle und sprach mit fester Stimme: »So wünsche ich mir einen Panzer so fest wie von einer Schildkröte, Beine so flink wie von einem Hasen und meine Stacheln sollen lang, spitz und eisenhart sein.«
»So sei es denn«, hörte er noch, bevor ihm die Sinne schwanden.

Lange lag er regungslos und wie tot am Boden. Zuerst zuckte es in seinen Gliedern und kurz darauf gelang es ihm seine Augen zu öffnen. Was habe ich nur für einen Unsinn geträumt, dachte er und schüttelte sich. Er drehte seinen Kopf nach allen Seiten, um sich zu vergewissern, wo er war. Da erschrak er. Sein Blick war auf die Stacheln an seiner Schulter gefallen. Die sahen viel länger und viel spitzer aus. Im selben Moment hatte er das Gefühl, sein Rücken würde ihn zu Boden drücken. Sollte der Traum Wirklichkeit geworden sein, ging es ihm durch den Kopf? Vorsichtig reckte er sich, streckte seine Beinchen und war im Begriff, den nahen Abhang hinaufzuklettern, als ihn der vorbeistreichende Fuchs entdeckte. Warte, sagte sich der Fuchs, ich kann dich zwar nicht fressen, aber etwas ärgern möchte ich dich schon. Mit diesem Vorsatz sprang er auf Alois los und versuchte ihn mit der Pfote umzudrehen. »Au, au, wie spitz sind heute deine Stacheln«, japste er und leckte sich die Pfote. Alois schüttelte sich, schnaufte ärgerlich über die Belästigung und rannte los. So schnell und so unerwartet, dass der Fuchs an seinem Sehvermögen zweifelte. Was mag die stachlige Bürste nur gefressen haben, dass sie so flink rennen kann, grübelte Reinecke und setzte kopfschüttelnd seinen Weg fort.

Igel Alois war selber über seine Rennfähigkeit überrascht. Dann habe ich wohl doch nicht geträumt, überlegte er. Meine Stacheln sind spitzer und länger, ich kann rennen wie ein Hase, und so wird mein Rücken sicher so hart wie der von einer Schildkröte sein, da war er sich sicher.

Es vergingen mehr als zwei Wochen. Alois hatte sich an seinen neuen Körper gewöhnt, wobei es ihm große Freude bereitete drohenden Gefahren einfach davonzurennen.
Eines Abends, er war auf dem Rückweg von der Wiese, hörte er beim Überqueren der Straße das ihm vertraute Geräusch eines Motorrads.
Sollten das die beiden aus dem Dorf sein, die Jagd auf Igel machten?
Dann ist heute der Tag, an dem ich sie zur Rechenschaft ziehen werde, beschloss Alois und legte sich am Straßenrand auf die Lauer.

Das Geräusch kam näher und Alois erkannte im Mondlicht die zwei Übeltäter.
Flink huschte er auf die Fahrbahn, sodass er im Scheinwerferkegel gut zu sehen war.
Sofort hatten sie ihn entdeckt, freuten sich lautstark über ihr nächstes Opfer und fuhren sofort auf den Igel zu. Alois rannte los.
»Was ist denn mit dem los? Das gibt es doch nicht, wie schnell der ist«, wunderte sich der Motorradfahrer.
»Pass auf, lass ihn nicht entwischen«, stachelte ihn sein Freund lautstark an.
Mit aufheulendem Motor versuchten sie, den Igel einzuholen. Die Hatz wurde schneller und schneller.

In dem Moment, als sich das Motorrad dem dahinrasendem Igel bis auf ein paar Meter genähert hatte und die Jäger in der Vorfreude auf ihren Erfolg johlten, blieb Alois plötzlich wie festgenagelt stehen.
»Jetzt bist du dran«, brüllte der Sozius . Dann traf das Vorderrad auf den Igel, verlor schlagartig die Luft, der Lenker wurde dem Vordermann aus der Hand gerissen und das Motorrad flog in einem hohen Bogen von der Straße. Unglücklicherweise stand dort ein Alleebaum. Mit einem kaum hörbaren Knacken brach sich der Fahrer das Genick. Sein Mitfahrer prallte mit dem Kopf heftig gegen einen Stein und wurde bewusstlos in das Krankenhaus eingeliefert. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, behauptete er unbeirrt, ein Igel wäre mindestens fünfzig Kilometer schnell vor ihnen hergelaufen, wäre dann stehen geblieben und seine Stacheln hätten ihren Reifen zerstochen.
Die Ärzte diagnostizierten eine schwere Bewusstseinstörung und empfahlen dringend eine Psychotherapie.

Was aus Alois geworden ist?
In jener Nacht sah er die leuchtende Elfenmaus wieder im Traum und sie sprach zu ihm:
»Du hast deine drei Wünsche nun aufgebraucht, und wenn du aufwachst, dann wirst du dich an nichts mehr erinnern.«
So geschah es und Alois lebte noch viele Jahre glücklich in seinem Revier.
Nur wenn er an dem bewussten Alleebaum vorbeikam, war es ihm, als wäre hier etwas vorgefallen.
Doch es fiel ihm nicht ein und er setze ein wenig nachdenklich seinen Weg fort.

© Dieter Kermas

Image: Pixabay.com

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Dieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subjectline “Dieter Kermas” to: californiagermans@gmail.com
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Das Nagetier

Troll - Das Nagetier

Das Nagetier

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
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Sitzen zwei Trolle auf einem bemoosten Felsen und betrachten das festliche Treiben unten im Tal. „Sie feiern das Mittsommerfest“, murmelt einer. „Das verstehe ich nicht“, sinniert der Zweite. „Sie wissen doch, dass die Tage jetzt kürzer werden und bald Schnee und Eis unser Land zudecken. Da lob ich mir die Wintersonnenwende. Da werden die Tage länger und die Sonne scheint bald wärmer.“

Ersterer schaut seinen Nachbarn an und bemerkt mit einem Grinsen: „Da sagst du nur, weil du seit zweihundert Jahren an Rheumatismus leidest.“
„Du kannst ruhig lästern,“ wehrt sich der Verspottete, „wenn ich dich so betrachte, hat der Zahn der Zeit auch an dir genagt. Schau dir deinen Bart an. Da ist mehr Moos drin als unsere Moosunterlage, ganz zu schweigen von deinen Augen, die man durch die Falten kaum erkennen kann.“

Der so Zurechtgewiesene schweigt eine Weile und meint dann bedächtig: „Du hast vom Zahn der Zeit gesprochen. Wenn ich es mir so überlege, gibt es kaum einen Zahn auf der Welt, der schärfer ist. Ich würde sogar behaupten, es ist der schärfste Zahn auf dieser Welt. Es gibt kein Lebewesen und kein Ding, an dem er nicht nagt. Denk mal an unseren großen Felsen, wo wir seit Jahrhunderten unsere Versammlungen haben. Der Felsen schien für die Ewigkeit gemacht. Er war so hart und glatt, dass es selbst uns nicht gelang ihn zu ritzen. Doch just vor zwei Jahren mussten wir sehen, wie sich ein Riss mitten durch unseren Stein zog. Ich bin mir sicher, dass er eines Tages in zwei Teile zerfallen wird. Es bedarf nur etwas Zeit.Diesem Nagetier entgeht niemand und nichts auf der Welt. Bedrückend, oder?“

Sein Nebenmann legt das Gesicht in noch mehr Falten und gibt zu bedenken: „Wenn das so ist, dann wäre es doch durchaus möglich, dass der Zahn der Zeit selbst unsere Erde zernagt?!“
„Wenn wir den Gedanken bis zum Ende verfolgen, dann wird es wohl so sein,“ stimmt der Angesprochene zu.
„Hast du nicht ein Beispiel, wo das Zeitnagetier mal was Gutes vollbracht hat?“, versucht dieser diesem Gedanken eine positive Wendung zu geben.
„Doch, habe ich,“ versichert der Moosbärtige verschmitzt lächelnd. „Vor ein paar Tagen traf ich einen Fuchs. Dieser berichtete mir freudestrahlend, dass er heute großes Glück gehabt hätte. Er wäre durch sein Revier geschnürt, als sein Bein plötzlich auf etwas Spitzes getreten sei. Als er nachgeschaut habe, sei ihm der Schreck in alle Glieder gefahren. Sein Fuß stand mitten in einer von den Menschen versteckten Schlagfalle.“
„Und wo ist da das große Glück?“, kam die Frage des Zuhörers.
„Das ist schnell erzählt“, fuhr ersterer fort. Der Zahn der Zeit hatte so lange an dem Eisen genagt, bis der Rost die ganze Falle überzogen und sie somit unbrauchbar gemacht hatte.“

Der zweite Troll rieb sich die Kartoffelnase, stand auf und schlug vor: „ auf das gute Ende der Geschichte sollten wir einen trinken. Wenn es dunkel wird und die Menschen müde vom Feiern schlafen, schleichen wir zu den Hütten und finden sicher etwas, womit wir anstoßen können.“

© Dieter Kermas

Image: Pixabay.com

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Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

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Schmetterling und Krokodil

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Schmetterling und Krokodil

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
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Wie vereinbart, stehe ich vor dem Haus Wielandstraße 43. Endlich habe ich Ferien und kann mit meinem Freund Wolfgang zur Fangexpedition aufbrechen. Das Schmetterlingsnetz hatte mir Mutter aus einer alten Gardine genäht, und ich habe es mit einem Haselnussstock ergänzt. Heute wollen wir zum Grunewaldsee fahren und Schmetterlinge fangen. Bereits im Alter von fünf Jahren ging ich dieser Leidenschaft nach und habe mir etliches Wissen angelesen und auch praktisch angeeignet.

Ich überlege mir gerade, ob es vielleicht günstiger wäre, nach Lübars zu fahren, weil dort die blütenreichen Wiesen mehr Jagderfolg versprechen.
In diesem Moment geht die Haustür auf und ein älterer Mann kommt auf mich zu.
»Guten Morgen«, grüßt er und ich antworte: »Auch einen guten Morgen.«
Vom Sehen kenne ich ihn schon lange. Früher war er sicher recht groß, aber nun hat ihn das Alter gebeugt. Sein scharf geschnittenes Gesicht ziert ein kleiner Kinnbart und sein Kopf wird von einem grauen, lockigen Haarkranz umrahmt. Er mustert mich forschend mit blauen Augen durch seine Nickelbrille, zeigt auf mein Fanggerät und sagt:
»Na dann wünsche ich dir viel Erfolg bei der Jagd« und im Nachsatz,» wenn du dich für Schmetterlinge interessierst, dann kannst du mich besuchen. Ich habe eine umfangreiche Sammlung.«
Da kommt Wolfgang aus der Tür, ich nicke kurz dem Mann zu und verspreche, zu kommen.

Wir begrüßen uns und meine ersten Fragen an Wolfgang sind: »Hat der wirklich eine Schmetterlingssammlung? Hast du die schon mal gesehen? Wie heißt er und in welcher Etage wohnt er? «
„Nun halt mal die Luft an«, unterbricht mich Wolfgang. »Sein Name ist Fritsche und mein Bruder war schon in der Wohnung im Zweiten. Er kam ganz begeistert zurück und erzählte von Tausend Käfern und Schmetterlingen, die er gesehen hat.«
Das muss ich mir unbedingt ansehen, denke ich und plane, Herrn Fritsche bereits am nächsten Tag zu besuchen.

Unsere Fangexpedition verläuft, wie bereits geahnt, nicht sehr erfolgreich.
Ein Distelfalter, ein großes Ochsenauge und ein kleiner Fuchs hauchen ihre Leben im Äther des Marmeladenglases aus. Nun mussten sie auf dem Spannbrett, fachgerecht ausgebreitet, trocknen und kommen danach in den Schmetterlingskasten.

Auf dem Rückweg, wir schieben unsere Räder mühsam durch den tiefen märkischen Sand, entdecke ich am Stamm einer Linde die ausgewachsene Raupe eines Lindenschwärmers. Das entschädigt mich für die magere Ausbeute. Für lebende Insekten habe ich stets eine kleine Pappschachtel mit. Mit einigen Lindenblättern als Wegzehrung wird die Raupe eingesteckt. Zu Hause kommt sie in den Anzuchtkasten bis zur Verpuppung. Sobald der Schwärmer dann geschlüpft ist, ereilt ihn leider das Schicksal seiner Artgenossen. Wolfgang ist nur mitgekommen, weil er unbedingt einige Runden im Grunewaldsee schwimmen will. Wir lehnen unsere Räder an einen Kiefernstamm und Wolfgang beeilt sich ins Wasser zu kommen. Mir ist heute nicht nach Baden und so liege ich in der Sonne und träume vom Besuch bei Herrn Fritsche.

Kaum ist das Frühstück beendet, hält mich nichts mehr. Ich flitze über die Hauptstraße in die Wielandstraße, nehme zwei Stufen auf einmal und stehe, nach Luft schnappend vor der Wohnungstür im zweiten Stock. Ich warte etwas, um mich zu beruhigen und drücke entschlossen den Klingelknopf neben dem Namensschild.
Die Tür öffnet sich und eine Frau mit Kittelschürze und straff zurückgekämmten Haaren, die in einem dicken Haarknoten enden, sieht mich fragend an.
Ich stottere: »Guten Tag, ich heiße Dieter und ihr Mann hat mir gesagt, ich könnte mir die Schmetterlinge ansehen.«
Sie lächelt und lässt mich eintreten. »Warte bitte einen Augenblick, ich sage meinem Mann Bescheid.«

Der Flur ist lang, dämmrig und ein ungewohnter Geruch hängt in der Luft.
Am Ende des Flurs geht eine Tür auf und Herr Fritsche kommt mir entgegen.
»Ich freue mich, dass du gekommen bist«, begrüßt er mich.
Er geht voraus in den nächsten Raum, einem typischen Berliner Zimmer, das das Vorderhaus mit dem Seitenflügel verbindet. Es ist sehr dunkel, ja, fast düster. Nur das Fenster, das zur Hofseite geht, spendet etwas Licht durch die trüben Scheiben. Eine rankende Grünpflanze hat auch noch einen Teil des Fensters zugewuchert.

Langsam gewöhnen sich meine Augen an das Dämmerlicht.
Als ich mich umsehe, zucke ich erschreckt zusammen. Ein riesiges Krokodil mit aufgerissenem Rachen schaut mich von der Seitenwand an.
Dann bemerke ich einen Schrank, der die gesamte Länge der Wand neben dem Fenster einnimmt. Auf der Vorderseite sind schmale Schübe mit kleinen Schildchen.
»So, was willst du zuerst sehen?«, erkundigt sich Herr Fritsche. »Schmetterlinge aus Europa oder aus Afrika?«
»Oh, dann lieber zuerst die aus Afrika«, bitte ich. Er zieht einen der Schübe auf und ich sehe Schmetterlinge mit fantastischen Farben und Formen. Manche haben lange Schwänze an den Flügeln, während andere schillern und fast so groß wie meine beiden Hände zusammen sind. Schub um Schub wird geöffnet und mein Staunen nimmt kein Ende. Dann öffnet er in einem anderen Teil des Schrankes Fächer, in denen Käfer mit den bizarresten Formen zu sehen sind. Manche tragen den Kopf auf stängeldünnem Hals, während andere sich mit Anhängsel tarnen, die wie dürre Blätter aussehen.
Absolut begeistert bin ich von den Goliathkäfern, die in unterschiedlichen Arten zu sehen sind. Sie sind, wie der Name schon sagt, riesig, fast wie kleine Buletten mit Beinen.

Danach betrachte ich mir die europäischen Schmetterlinge. Er fragt nach diesem und jenem Falter und ich nenne die Namen und die Besonderheiten, wie Futter und Vorkommen. Zufrieden nickt Herr Fritsche über meine Antworten.
Am Fenster entdecke ich Terrarien mit Eidechsen, Fröschen und in einem der Behälter zwei Schildkröten, die ihren Salat beknabbern.
An der Wand, wo das Krokodil auf die Besucher herabstarrt, steht ein Bücherschrank mit Büchern in allen Größen.

Wir setzen uns an den großen, rechteckigen Tisch, der mit einigen Stühlen in der Raummitte steht. Frau Fritsche kommt wie aufs Stichwort herein und fragt, ob ich ein Glas Limonade möchte. Was ich dankend annehme. Für ihren Mann bringt sie eine Kanne Tee mit einer Tasse und Zucker.
Endlich habe ich Gelegenheit, meine Neugier zu befriedigen und frage, woher das alles kommt. Er erzählt, dass er im Auftrag der Regierung mehrere Forschungsreisen nach Afrika unternommen hat. Für einen Elfjährigen hört sich das so spannend an, dass ich wissen will, ob er auch gefährliche Abenteuer erlebt hat. Er schmunzelt, steht auf und zieht auf der linken Körperseite sein Hemd aus der Hose.
Ich blicke etwas erschreckt auf eine breite, weißliche Narbe die, so lang wie drei Hände, schräg über die Rippen verläuft. Er stopft das Hemd zurück, zeigt in Richtung der Zimmertür. Erst jetzt sehe ich das gewaltige Gehörn eines Kaffernbüffels, das über der Tür hängt.
»Ja, der war es, dem ich das zu verdanken habe«, erklärt er und schildert mir die Jagd auf das Tier, das ihm fast das Leben gekostet hätte.
Ich frage und frage und er erzählt und wird immer lebhafter dabei.
Ich habe vergessen, dass ich längst zu Mittag zu Hause sein sollte, und bedanke mich herzlich für die spannenden Stunden.
Er bringt mich zur Tür und als ich das Treppenhaus hinunterstürme, ruft er mir noch nach » und komm bald wieder.«

So kommt es, dass ich immer wieder Herrn Fritsche besuche. Er erklärt mir viele Zusammenhänge in der Natur und begleitet mich beim Schmetterlingsfang. Später erzählt er mir von einer Jagd auf Elefanten und, als ich neugierig frage, was er für ein Gewehr dafür gehabt hatte, geht er in den Nebenraum und kommt kurz darauf mit einem Blechkasten zurück.
Er öffnet und holt einen sichtlich schweren Gegenstand heraus. Nachdem er das Tuch, aufgeschlagen hat, lieget ein kastenförmiges, wie ein großes Schloss aussehendes Metallteil auf dem Tisch. »Was ist das?«, will ich wissen.
„Das ist das Schloss meines speziellen Gewehrs für Großwild, wie Elefanten, Nashörner und Büffel.«
»Und wo ist der Rest vom Gewehr«, will ich wissen.
„Der liegt leider im Wannsee«, seufzt er. »Als die Russen nach Berlin kamen, habe ich das Gewehr lieber weggebracht. Vielleicht hätten sie mich für den Waffenbesitz erschossen, wer weiß. Nur vom Schloss mochte ich mich nicht trennen, habe es ausgebaut und versteckt.«

Eines Tages muss ich mich von Herrn Fritsche verabschieden, weil wir nach Spandau umziehen. Ihm fällt der Abschied sichtlich genauso schwer wie mir. Er bittet mich, ihn ab und zu zu besuchen, wenn auch Spandau recht weit weg ist. Ehe ich gehe, bittet er mich noch kurz zu warten, geht zum Bücherschrank und übergibt mir ein dickleibiges Buch mit dem Titel „Die Schmetterlinge Mitteleuropas“. Ein fantastisches Nachschlagewerk mit vielen Abbildungen und ausführlichen Beschreibungen.
Ich könnte ihm vor Freude um den Hals fallen. Doch das verhindert der Respekt vor ihm.
So bedanke ich so gut ich kann und verspreche wiederzukommen.

Dieses Versprechen endet wie viele dieser Art. Ab und zu dachte ich daran nach Friedenau zu fahren, setzte es aber nie in die Tat um. Als dann eines Tages mein Freund Wolfgang anrief, um mir mitzuteilen, dass Herr Fritsche verstorben ist, tat es mir sehr leid, seinem Wunsch nicht nachgekommen zu sein.
Das Schmetterlingsbuch steht auch heute noch in meinem Bücherschrank und erinnert mich an diesen so klugen und liebenswerten Forscher.

© Dieter Kermas

Image: Pixabay.com

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Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

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Ehrenrettung

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Ehrenrettung

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
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Ich sitze auf dem Fensterbrett und lasse meine Schnurrhaare durch die Pfoten gleiten. Oh, ich vergaß zu erwähnen, ich bin eine Maus. Eine ganz gewöhnliche graue Hausmaus.
Na und werden sie jetzt sagen, was kann eine Maus erzählen, dass sich das Weiterlesen lohnt?!

Ich sage es ihnen. Mein kleines, kurzes Mäuseleben habe ich der Ehrenrettung unserer Art gewidmet. Ich höre bereits ihren Einwand, von wegen Nagerplage und so. Und was können wir dafür, dass Damen bei unserem Anblick spitze Schreie ausstoßen. Ich gebe zu, dass eine angeknabberte Müslitüte und ein angenagtes Frühstücksbrötchen sicher Grund genug sind, um eine Falle aufzustellen oder Gift zu streuen.

Halt, werden sie bitte nicht ungeduldig. Ich erzähle ihnen nun, wie unsere Art verkannt wird und sie werden am Ende verstehen, wie berechtigt eine Ehrenrettung für uns ist.

Wie niedlich fanden sie die Micky-Maus, als sie klein waren. Wie begeistert waren sie, als sie mit ihrer ersten schwanzlose Funkmaus den PC bedienten. Wie freute sich ihre Katze, als sie eine Gummimaus zum Spielen bekam und wie stolz war ihr Sohn, als er seinen Freunden die weißen Mäuse vorführen konnte. Besonders schön fanden sie es, als ihr Partner ihnen „mein Mäuschen“ ins Ohr flüsterte und ein Portemonnaie voller „Mäuse“ macht sie glücklich.

Sogar ihre Sprache ist durch uns lebendiger geworden. Wenn es mäuschenstill ist, kann sich jeder darunter etwas vorstellen. Werden sie nach der Farbe gefragt und sie sagen es ist mausgrau, weiß jeder Bescheid. Dass der Mäusebussard nach uns genannt wurde, macht uns nur bedingt stolz, da wir seine Leibspeise sind.

Vielleicht ist es paradox, wenn sie feststellen, dass ihre Katze eines Tages mausetot ist. Trifft es aber in der Sache. Selbst im Sprichwort „Die Katze lässt das Mausen nicht,“ sind wir vertreten. Weil unsere Ohren so niedlich sind, hat man sogar eine Pflanze „Mäuseohr“ genannt.

Denken sie an die Tausende von Labormäusen, die ihr Leben für ihre Gesundheit opferten, ehe sie unsäglich gequält im Abfall landeten.
Allein für sie sollte es ein Mäusedenkmal geben.
Haben sie mal im Zoo gesehen, wie unsereins lebendig an Schlangen verfüttert wurde? Kein schöner Anblick, oder?!

Sollten sie nun etwas nachdenklich geworden sein, gut so.
Mir wird es leider nicht vergönnt sein, ein Denkmal für uns zu errichten.
Erzählen sie deshalb ihren Freunden und Bekannten was sie eben gehört haben.
Damit würden sie etwas zu unserer Ehrenrettung beitragen.
Komme ich dann durch eine Falle oder durch die Katze in den Mäusehimmel, so war mein Mäuseleben auf der Erde nicht vergebens.

© Dieter Kermas

Image: Pixabay.com

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Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subjectline “Dieter Kermas” to: californiagermans@gmail.com
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