Tag Archives: Gedicht

Paul der Regenwurm

WormPixabay

Paul der Regenwurm

(Ein Gedicht von Dieter Kermas)

.

„Du bist zu dünn und viel zu lang“,

das hörte er schon tagelang.

„Du taugst nicht mal als Vogelfutter,“

so sprach zu ihm die eigne Mutter.

Das konnte Paul nicht mehr verwinden,

und beschloss drauf zu verschwinden.

Ein Wandersmann kam ihm entgegen.

Der sprach :„Du kommst mir grad gelegen.

Ich brauch für meinen rechten Schuh

´nen neuen Senkel, und der bist du!“

So wurde Paul herumgetragen,

kam erst zurück nach vielen Tagen.

Er wollte alles nun berichten,

den dicken Tanten und kurzen Nichten.

Doch er fand weder sie noch Mutter.

Sie endeten als Fischefutter.

.

© Dieter Kermas

.
Photo: Pixabay.com———————————————————————————————————————–

Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Guest Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.
To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subject line “Dieter Kermas” to: californiagermans@gmail.com
———————————————————————————————————————-

.

Advertisements

DER WASSERSCHADEN

background-1239367_1920

.

Der Wasserschaden

(Ein Gedicht von Dieter Kermas )

.

Das Wasser floss, ganz ohne Pause,

aus einem Rohrbruch bei Herrn Krause.

Der Klempner das Gesicht verzieht,

als er den Wasserschaden sieht.

Als er nun die Rechnung schätzt,

ist Herr Krause recht entsetzt.

Er wird blass, und er spricht:

»Ich bin Dichter, Geld hab ich nicht.«

Der Klempner sieht den Dichter an:

»Ich werd jetzt gehen, guter Mann.

Viel Arbeit muss ich noch verrichten,

und Sie, Sie fangen an zu dichten.«

© Dieter Kermas

.
Photo: Pixabay.com———————————————————————————————————————–

Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Guest Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.
To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subject line “Dieter Kermas” to: californiagermans@gmail.com
———————————————————————————————————————-

.

“Frosch Fritz” – Ein Gedicht für ein Kinderbuch

Frosch Fritz -

Frosch Fritz

.
(Ein Gedicht von Dieter Kermas )
 

Im Teich da geht es lebhaft zu,
die Frösche geben keine Ruh.
Auch Fritz quakt laut aus voller Kehle
sein Lieblingslied sich von der Seele.

Bald stellt sich nun der Hunger ein,
und er fängt sich ein Fliegelein.
Jetzt liegt er grün und ziemlich fett,
auf einem Blatt als Wasserbett.

Nun schläft er tief in warmer Sonne.
Ein Storch sieht dies mit großer Wonne.
Ein kurzer Stoß, wie mit ´ner Gabel,
und Fritz der zappelt schon im Schnabel.

Er quakt vor Angst und wehrt sich noch,
dann rutscht er in das schwarze Loch.
Doch für den Fritz, ja Gott sei Dank
ist beim Storch der Hals recht lang.

Fritz ist gerutscht, bis fast zur Mitte
und endlich wehrt er sich, na bitte!
Er bläst sich auf bis an den Rand
und stemmt sich hoch an glatter Wand.

Fritz kämpft verbissen und auch zäh,
dem Storch tut´s langsam wirklich weh.
Er würgt das Fröschlein schnell heraus,
der fällt ins Wasser und ist zu Haus.

Drum liebe Kinder merket auf,
gebt niemals, niemals so schnell auf.
Ihr braucht dazu nur etwas Mut,
dann schafft ihr alles, und das ist gut!

© Dieter Kermas

.
Photo ©CaliforniaGermans———————————————————————————————————————–

Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Guest Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.
To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subject line “Dieter Kermas” to: californiagermans@gmail.com
———————————————————————————————————————-

.

Bäume leuchtend – Ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe

Das_festliche_Jahr_img426_Weihnachtsabend_im_protestantischen_Deutschland

Bäume leuchtend

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend.
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret.
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und Her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir’s begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Von dir glänzten all zusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

(Johann Wolfgang von Goethe)

—————————————————————————-

Image: Artist unknown, 1863, Weihnachtsabend im protestantischen Deutschland. Source: Otto von Reinsberg-Düringsfeld: Das festliche Jahr in Sitten, Gebräuchen und Festen der germanischen Völker. Mit gegen 130 in den Text gedruckten Illustrationen, vielen Tonbildern u. s. w. Spamer, Leipzig 1863. Bayerische Staatsbibliothek München,

———————————————————————————

Der Dezember – Ein Gedicht von Erich Kästner

Der Dezember

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
“Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.”

(Erich Kästner)

—————————————————————

“Der Dezember” ist dem Gedichtzyklus “Die 13 Monate” von Erich Kästner entnommen, der 1955 erschien

Image: ©CaliforniaGermans

————————————————————————————————