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A Personal Lesson in German History

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A Personal Lesson in German History

Have you read Author Dieter Kermas recent article “Das Erste Mal Durch Die Mauer?”  If not, I highly recommend it.  I find it very fascinating to hear about experiences from people who have lived during a time of major historic events.  Back in the days, when my grandma from my mother’s side was still alive, I begged her to keep telling me stories about World War ІІ.  Since I (obviously) wasn’t alive at that time, I tried to imagine how life was back then through my grandma’s stories.  And boy, did she have experiences to share!

She explained to me how she felt the earth shaking from bomb fire while she and her family were puckered up in an underground bunker.  Another story consisted of her sister losing her baby while in the bunker because of a lack of breast milk.  She also told me how it felt to be part of the Bund Deutscher Mädel, the female youth organization during the Nazi regime, which was part of the Hitler Youth.

I was beyond impressed by what my grandmother had to live through during her long life.  The world we live in today is far from peaceful; we do live in a time surrounded by war and terrorism.  Thankfully, so far I wasn’t personally impacted, meaning that I haven’t lost a relative or friend through a terror attack nor was I the victim of one.  I would not know how to deal with something that terrible, while my grandma endured several losses and tragedies in her lifetime.

These personal experiences really sparked my interest in history.  Unfortunately, I had a really bad history teacher during High School, who made the subject unbearable and unnecessarily boring.   Due to that, I lost interest in the subject, and my hunger for experiencing German history myself kind of subsided for the next couple years.

I know it might be a shame to admit, but I had never visited Berlin until 2010.  I just didn’t really feel the urge to travel much around Germany when I was younger.  That changed after I came back from my Au Pair stay.  I developed an incredible urge to travel, and if it would just be for a weekend.

It just so happened that one of my Au Pair friends, who I met in the states, moved to Berlin after she came back from the U.S.  She invited my other good Au Pair friend Doreen (name changed due to privacy) and me to come visit her in Berlin.  Finally I was going to visit the capital of the country I grew up in and could experience a grand piece of German history first hand.

My friends and I crammed every possible Berlin sight into our two day stay.  Of course, we couldn’t miss the Brandenburger Gate or the German Parliament.  But the monuments that struck me the most were the Holocaust Memorial and the remaining pieces of the Berlin Wall.  Those brought back the imaginations, and I was finally able to grasp what my grandmother used to tell me about.

While at the Holocaust Memorial, some darkness overcame me.  Not from the clouds in the sky that were hanging above us that day,  but rather from what the Holocaust represented during World War ІІ.  It was beyond saddening to see those hundreds of ceramic stones on the cold ground, each one representing the victims of the horrendous concentration camps.  We can all just pray that something like this is never going to repeat itself.

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Checking out the remaining parts of the Berlin Wall, also known as the “East Side Gallery”, which represents freedom, was more uplifting.  I don’t remember any of the news coverage from 1989 when the wall fell, but seeing those monument parts from such a big part of German history was just amazing.  Each of those pieces still represents the fate and pain so many people had to endure during that certain time period.

This trip definitely had an impact on me and made me realize how appreciative we can be of not having to endure a world war at first hand.  Let’s keep praying that it will stay that way.

Images: © Anne-Kathrin Schulte
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Anne-KathrinAnne-Kathrin Schulte, is a contributor for CaliforniaGermans.com. She writes on her personal experience of the American Dream as well as on working as an au pair in CA. She was born and grew up in Düsseldorf, Germany, where she completed her degree as a state-approved Kindergarten teacher. After her au pair engagement in the US and a quick return to Germany she decided to attend university in California and moved back to the United States. She has been living in Southern California since 2011.

If you would like to contact Anne-Kathrin, please send an email to californiagermans(at)gmail.com and place her name in the subject line.

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Das Erste Mal Durch Die Mauer

Teltowkanal

Teltowkanal. Die Grenze verlief in der Mitte des Gewässers. (Photo: ©Dieter Kermas)

Das erste Mal durch die Mauer

(Ein Erlebnisbericht von Dieter Kermas)
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Es war Mai 1990 und der DDR-Staat begann, sich merkbar zu wandeln. Zur Einreise genügte für uns Westberliner jetzt nur der normale Personalausweis.
Am 11. Mai fuhren wir, Helga und ich, zum nächstgelegenen Grenzübergang am Ostpreußendamm. Der Grenzpolizist auf der Ostseite warf nur einen kurzen Blick auf unsere Ausweise und gab sie mit einem Lächeln und einem „Gute Fahrt“ zurück. Wir waren über diesen, in den vergangenen Jahrzehnten noch nie gesehenen Gesichtsausdruck bei einem „Grenzorgan“ richtig verblüfft.
Die Möglichkeit, ohne die oft erduldeten Schikanen, die nächste Umgebung hinter der Mauer zu erkunden, war für uns nach fast vierzig Jahren natürlich sehr verlockend.

Aus meiner Kindheit waren Ortsnamen wie Köpenick, Erkner und Müggelsee, in mir noch recht lebendig. Am heutigen Tag wollten wir nun mit der Erkundung dieser Umgebung beginnen.
Bei strahlendem Sonnenschein ging die Fahrt über Teltow, Mahlow, Waßmannsdorf, am Flughafen Schönefeld vorbei, nach Köpenick.

Dem Tipp eines Kollegen folgend, besichtigten wir die Ausstellung im Schloss Köpenick. Wir hatten den Rundgang recht zügig hinter uns gebracht, obwohl die Exponate mehr Zeit verdient hätten, und standen so gegen elf Uhr wieder auf dem Schlosshof.  Nachdem uns eine Tasse Kaffee in der Schlossgaststätte wieder fit gemacht hatte, entschlossen wir uns, die Fahrt in Richtung Müggelsee fortzusetzen.

Während der Fahrt, die Sonne brannte uns schon recht heiß durch das offene Schiebedach auf die Köpfe, hatte ich urplötzlich die Idee bis nach Gosen weiterzufahren. Meine Frau stimmte sofort zu. Die Straßenbeschilderung war ausreichend gut, und so trafen wir gegen zwölf Uhr in Gosen ein.
Kurz vor Gosen überquerten wir zwei Brücken und ich erinnerte mich in diesem Moment an eine Fahrt mit Tante Klara. Als sie uns 1948 mit dem Pferdewagen vom Bahnhof Erkner abgeholt hatte, und wir durch das Wasser fahren mussten, weil die Brücke zerstört war.

Aus der Erinnerung heraus versuchte ich den Weg zu unseren Verwandten zu finden, doch vergebens. In den Jahren hatte sich doch mehr verändert, als ich angenommen hatte. Um nicht länger umherzuirren, erkundigte ich mich bei einem älteren Mann, der gerade mit einem kleinen Jungen den Weg entlang kam, nach der Familie Krauel.

Er fragte zögernd zurück, ob ich Alfred Krauel suchen würde, und ich bejahte dies. Mit bekümmerter Miene teilte er uns mit, dass gerade heute, am 11. Mai, Alfred Krauel Senior zu Grabe getragen würde.

Das konnte doch nicht wahr sein, dachte ich. Nach fast vierzig Jahren der Trennung wurde mein Onkel Alfred gerade an diesem Tag beerdigt. Zufall oder ein Wink des Schicksals?
Der alte Herr beschrieb uns noch die Richtung zum Hause Krauel und ging seines Weges.

Noch etwas erschrocken und verwirrt überlegten wir, ob gerade heute der richtige Tag für ein Wiedersehen sei. Wer und was erwartete uns?
Wir entschlossen uns, das Wagnis einzugehen und fuhren zur Seestraße 24. Als wir vor dem niedrigen Bauernhaus standen, es war früher mit Reet gedeckt, erkannte ich es sofort wieder.

Ich ging bis zum Gartentor und rief, niemand meldete sich. Nach kurzem Überlegen, entschlossen wir uns erst einmal etwas essen zu gehen.
Im Gasthof nahmen wir dann unsere Mahlzeit ein. Im Hinausgehen entdeckte ich zufällig in einem Nebenraum eine gedeckte Tafel. Die Bedienung erzählte uns, dass der Raum von der Familie Krauel für eine Feier bestellt wäre.

Wir hatten uns vorgenommen, nach dem Essen, ein zweites Mal zur Seestraße zu fahren. Ich stieg aus, ging durch das offene, erste Gartentor bis zum zweiten Tor. Hinter dem Haus hörte ich Stimmen und so rief ich: „Hallo!“ Zuerst kam ein Hund um die Ecke gesaust und blieb bellend hinter dem Tor stehen. Kurz darauf bog ein Mann um die Hausecke, blieb stehen, kam langsam näher und fragte, wen ich sprechen möchte.

Vom Alter her, so ging es durch meinen Kopf, könnte das wohl mein Cousin Alfred sein. Spontan und nichts Besseres auf der Zunge, rief ich: „Ich bin Dieter Kermas aus Berlin, bist Du Alfred?“ Die Verblüffung auf der anderen Seite dauerte nur eine Sekunde, dann wurde das Tor aufgeschlossen, aufgerissen und Alfred packte mich bei den Schultern und fast schleppte er mich bis zur Hausecke. Auf dem kurzen Weg dorthin deutete er mir an, nicht zu sagen, wer ich sei.

Hinter dem Haus saßen unter dem Nussbaum einige Personen, die mich etwas verwundert und neugierig musterten. Zu einer älteren Frau gewandt, fragte Alfred: „ Na, wer ist das wohl, den ich hier bringe? Erkennst Du ihn?“ Natürlich war das nach den vergangenen Jahrzehnten fast ausgeschlossen. Ich stellte mich dann vor und auch alle Anwesenden nannten ihre Namen.

Die Begrüßung war recht stürmisch und ganz besonders herzlich wurde ich von Tante Else willkommen geheißen. Erst nach einigen Minuten konnte ich erklären, dass meine Frau noch im Wagen säße.
Sofort lief Alfred mit mir auf die Straße und Helga wurde ebenfalls zum Platz unter dem Nussbaum gezogen und dort herzlich begrüßt.

In die Freude des Wiedersehens mischte sich der Schatten des Trauertages, und so war ich fast geneigt, wieder zurückzufahren. Schließlich entschieden wir uns doch dazubleiben, und Onkel Alfred auf seinem letzten Weg zu begleiten.
Alfred lieh mir noch ein dunkles Hemd, und wir gaben seinem Vater die letzte Ehre.

Im Gasthof versammelten wir uns dann bei Kaffee und Kuchen. Ein ums andere Mal erzählte Alfred den Gästen die erstaunliche Tatsache, gerade an diesem Tag, den Cousin aus Berlin nach vierzig Jahren wiedergefunden zu haben.

Die Stunden vergingen, und wir hätten noch lange dort sitzen können, doch den Weg nach Hause hatten wir noch vor uns. So verabschiedeten wir uns und fuhren heimwärts, nicht ohne vorher Alfred versprochen zu haben, bald wiederzukommen.

Die Gedanken kreisten in unseren Köpfen, und zu Hause angekommen, diskutierten wir noch bis Mitternacht das Erlebte, während der Maiglöckchenstrauß von Tante Else das Zimmer mit seinem Duft erfüllte.

Berlin, September 1990

© Dieter Kermas

Photo: ©Dieter Kermas———————————————————————————————————————–

Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.)  Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

To get in touch with Dieter Kermas, please send an email with subjectline “Dieter Kermas” to: californiagermans@gmail.com
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Grenzkontrollstelle Drewitz

Grenzkontrollstelle Drewitz © Dieter Kermas

Grenzkontrollstelle Drewitz © Dieter Kermas

Grenzkontrollstelle Drewitz

(Ein Erlebnisbericht von Dieter Kermas)

Heute, viele Jahre nach dem Fall der Mauer, erinnere ich mich lebhaft an eine Begebenheit, die ein bezeichnendes Licht auf die damaligen politischen Verhältnisse wirft. Wir feiern in diesem Jahr den 25. Jahrestag des Mauerfalls und die Geschichte hat sich wie folgt zugetragen:

Auf der Autobahn, die vom Berliner Funkturm zum Grenzübergang führte, war zur Ferienzeit jede Fahrspur besetzt. So auch heute. Das konnte wieder eine elend lange Warterei geben, dachte ich. Um uns die Wartezeit mit flotter Musik akustisch zu verkürzen, machte ich das Radio in unserem Käfer an.

„Mach bitte aus. Mir ist jetzt nicht nach Musik“, bat mich meine Freundin Eva sichtlich gestresst.

Wo hatte ich nur meine Gedanken?! Dass ihre Nerven vibrierten, war nicht verwunderlich. An diesem Tag hatten wir, nach vielem Wenn und Aber, beschlossen, gemeinsam durch die Zone (so wurde die DDR oft im allgemeinen Sprachgebrauch genannt) zu fahren. Wenn meine Beifahrerin immer noch auf der Fahndungsliste der DDR stünde, so hätte sie ganz gewiss, und sicherlich auch ich, ein großes Problem.

Ihre Familie war enteignet worden und die alteingesessene Tuchfabrik wurde zu einem DDR-Betrieb umgewandelt. Die Eltern und sie verschwanden für lange Zeit im Zuchthaus Bautzen. Einige Zeit nach der Entlassung gelang es der Mutter mit der Tochter, nach dem Westen zu flüchten. Vom Schicksal des Vaters ist bis heute nichts bekannt.

Kurz darauf erfuhren sie durch inoffizielle Quellen, dass sie beide auf der Fahndungsliste standen. Da sie ihren Wohnsitz in Westberlin hatten, war es ihnen nun nur auf dem Luftwege möglich, Westdeutschland zu erreichen. Die Jahre vergingen und sie wagten nicht, den Landweg zu benutzen. Eines Tages hörten sie von einer Organisation, die sich Informationen über diese Fahndungslisten verschaffen konnte. Je geringer der Grund für den Eintrag in die Fahndungsliste und je länger dieser Zeitpunkt zurücklag, desto wahrscheinlicher sei es, so argumentierte man in der Organisation, aus der Liste gestrichen zu sein. Doch darauf war kein Verlass, wie einige erfahren mussten, die sich auf diese Aussage verlassen hatten und festgenommen wurden.

Meter für Meter näherten wir uns der Kontrollstelle. Vor dem Kontrollgebäude fächerten sich die Fahrbahnen zu den einzelnen Abfertigungsstellen auf. Zur Ferienzeit waren bis zu acht dieser Stellen geöffnet. Ohne sichtbaren Grund schlossen die Grenzer manches Mal eine Abfertigungsstelle und öffneten eine andere. Dann winkten sie gebieterisch mit dem schwarz-weiß gestreiften Signalstab ein beliebiges Auto aus der Schlange und wiesen ihm die Richtung zur neu geöffneten Abfertigung. Alle Fahrzeuge, die dahinter standen, mussten nun folgen, bis der Volkspolizist meinte, die Schlange wäre lang genug. Dann war erst einmal Stopp und das Warten ging weiter.

Wir standen in der Schlange zum Tor drei.

Noch vier Fahrzeuge standen vor uns. Mit einem Seitenblick sah ich, wie Eva ein Taschentuch in den Händen hielt und zerknüllte. „Steck bitte das Taschentuch wieder ein und halte den Ausweis parat“, flüsterte ich. Ich flüsterte, weil wie üblich, ein Kontrollorgan an der Warteschlange vorbeischlenderte und in diesem Moment prüfend in das Innere unseres Wagens blickte. „Gib mir deinen Ausweis, du fängst garantiert noch an zu zittern“, bat ich. „Das geht nicht“, antwortete sie leise, „der Mann sitzt doch da rechts hinter der Luke“, korrigierte sie mich mit einem Blick nach vorne. Das hatte ich im Moment vergessen und gab ihr auch meinen „behelfsmäßigen“ Berliner Personalausweis.

Jetzt rückte ich bis zum Stoppschild vor und musste warten, bis eine Hand, die sich aus der Luke der Abfertigungsbaracke reckte, die Weiterfahrt anordnete. Die Hand winkte und ich fuhr vor bis zur Luke, hinter der sich das Kontrollorgan, dem die Hand gehörte, saß. Ich konnte das Gesicht meiner Freundin nicht sehen, als sie unsere Ausweise durch das Autofenster der Hand übergab. Als sie sich wieder zu mir umdrehte, war sie sichtlich blass und ihre Hände legte sie sofort in den Schoß. Vielleicht zitterten sie doch noch. Täuschte ich mich, oder glänzten einige Schweißtropfen auf ihrer Stirn?! Sicher lag das nur an der Sonne, die heiß auf das Dach der Abfertigungshalle brannte. Es dauerte einen Moment, dann durften wir auf einen Wink hin, ein paar Meter vorfahren und vor der Ausgabeluke warten. Unsere Ausweise wurden in der Zwischenzeit kontrolliert mit Fahndungslisten abgeglichen und durch ein Laufband zur Ausgabestelle weiterbefördert.

Es dauerte länger als sonst. So kam es mir jedenfalls vor. Wir sprachen kein Wort und stierten nur auf Luke Nummer zwei, wo wir unsere Ausweise zurückerhalten sollten.

Wenn jetzt ein Grenzbeamter an mein Fenster heranträte und mich zu einem abgesonderten Stellplatz leiten würde, wären wir aufgeflogen. Stattdessen fragte uns eine blond gelockte Grenzerin, mit kecken Schiffchen auf dem Kopf, nur noch durch die Öffnung in breitestem Sächsisch „Keine Kinder?“. Wir verneinten und sie reichte uns die Ausweise mit dem „Laufzettel“, einem extra Blatt, das mit den Ein – und Ausreisezeiten gestempelt wurde, zurück.   Dann durften wir endlich weiterfahren. Uff!

Die ersten Kilometer sprachen wir kein Wort. So groß war die Anspannung, die erst langsam von uns wich. Jetzt lagen etwa dreihundert Kilometer Ostautobahn bis Übergang Rudolphstein/Hof vor uns.   „Ich werde erst ruhiger, wenn wir durch sind“, waren die ersten Worte meiner Freundin.   Mein „Ist doch bis jetzt alles gut gegangen“, hörte sich nicht sehr überzeugend an. Vielleicht brauchten sie nur etwas länger Zeit um die Fahndungslisten durchzusehen. So schlichen wir mit den vorgeschriebenen einhundert Stundenkilometern Richtung Westen. Heute hielt ich mich besonders genau an diese Geschwindigkeit, um keines Falls angehalten zu werden.

Wir fuhren ohne Rast durch bis zur Ausreisegrenzstelle. Unsere Anspannung hatte keineswegs nachgelassen. Jetzt trennten uns nur noch einige hundert Meter von der ersehnten Westseite.

Wieder hatte ich das Gefühl, dass die Kontrolle unserer Papiere besonders lange dauern würde. Doch das Gefühl trog. Mit einem „Gute Fahrt“, reichte der Grenzbeamte die Ausweise wieder zurück in Evas Hände. Die Ampel stand auf Grün und wir schlichen erleichtert mit den vorgeschriebenen zehn Stundenkilometern die letzten Meter bis zum Niemandsland. Nachdem wir auch den Westkontrollpunkt hinter uns hatten, fielen wir uns in die Arme und die Tränen, die sie nun vergoss, waren Tränen der Erleichterung und der Freude.

Nachtrag: Diese erste Durchreise durch die DDR wagte Eva erst, als die Bundesregierung und die DDR das sogenannte Transitabkommen 1972 unterzeichnet hatten. Jetzt mussten die Reisenden nicht mehr aussteigen und zum Beispiel Motorhaube und Kofferraum öffnen. Eben so wenig durften die Grenzbeamten nun verlangten, die Rückbank des Wagens anzuheben, damit sie nach versteckten Personen suchen konnten.

© Dieter Kermas

Photos: ©Dieter Kermas———————————————————————————————————————–

Mauerspecht - März 1990

Mauerspecht – März 1990. Berliner Mauer entlang des Brandenburger Tores. © Dieter Kermas

Dieter Kermas, CaliforniaGermans Guest Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

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25 Jahre Mauerfall – Commemorating the Fall of the Berlin Wall

Erinnerungen an den Berliner Mauerfall vor 25 Jahren – COMMEMORATING the Fall of the Berlin Wall 25 years ago

(Eine Fotostrecke mit Erinnerungen von Dieter Kermas)
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Brandenburger Tor und DDR-Mauer – © Dieter Kermas

 

Der preußische Landtag, wie er hinter der Mauer zu sehen ist, ist heute das „Abgeordnetenhaus von Berlin“. (Bild unten)

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Preußischer Landtag – © Dieter Kermas

 

Die Grenzkontrollstelle “Drewitz” – Das Tor zum Westen

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Grenzkontrollstation Drewitz  – © Dieter Kermas

Die Grenzkontrollstelle „Drewitz“, die wir jedes Mal passieren mussten, wenn wir nach Westdeutschland wollten. Auf einem Foto sind noch die Förderbänder zu sehen, wo unsere Papiere von einer Stelle zur nächsten weitergegeben wurden.

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Grenzkontrollstation Drewitz  – © Dieter Kermas

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Grenze Drewitz – © Dieter Kermas

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Grenze Drewitz  – © Dieter Kermas

 

“Brücke der Einheit” – Austausch von Spionen

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Brücke der Einheit   – © Dieter Kermas

Auf der „Brücke der Einheit“ wurden mehrfach Spione ausgetauscht (sowjetische gegen amerikanische und DDR Spione gegen Westdeutsche Spione). Zwischen 1962 und 1986 wurden mehrere Male hochrangige Agenten beider Militärmächte ausgetauscht. Unter anderem 1962 die Spione Francis Gary Powers und Rudolf Iwanowitsch Abel.  Des weiteren fünf Agenten , die in den USA für die Tschechoslowakei spionierten, gegen vier Agenten des BND und des CIA, die wgene Spionage in der DDR im Gefängnis sassen. Im Internet kann man darüber viele längere Berichte dazu finden.

 

“Teltowkanal” – Die Grenze zwischen West und Ost verlief genau in der Mitte des Gewässers.

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Am Teltowkanal  – © Dieter Kermas

“Teltowkanal „  – Ein beliebtes Ausflugsziel für West-Berliner Radler (natürlich auf der rechten Seite).

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Teltowkanal – Grenze von Ost und West liegt in der Mitte des Gewässers                       © Dieter Kermas

 

Flohmarkt am Reichstag ( mit den Vopos auf West-Berliner Gebiet)

Die Volkspolizei war ( kurios war es schon damals) nach der Grenzöffnung noch tätig und zwar auf West-Berliner Gebiet hinter dem Reichstag. Sie hatten wohl die Aufgabe die fliegenden Händler, die bereits DDR-Souveniers verkauften, zu kontrollieren.

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Vopos – die Volkspolizei –  © Dieter Kermas

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Volkspolizei auf West-Berliner Seite kurz nach Grenzöffnung – © Dieter Kermas

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Händler am Reichstag – © Dieter Kermas

Ein Witz der damaligen Zeit war, dass dort, wo die Vopos Kontrolle fuhren, bereits Ausrüstungsgegenstände und Uniformen der Volkspolizei und der Nationalen Volksarmee, auf den Flohmarktständen verkauft wurden.

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Volkspolizei auf Kontrollfahrt  – © Dieter Kermas

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Text: © Dieter Kermas

Photos: ©Dieter Kermas———————————————————————————————————————–

Mauerspecht - März 1990. An der Mauer vor dem Brandenburger Tor

Mauerspecht – März 1990. Berliner Mauer entlang Brandenburger Tor.

Dieter Kermas, CaliforniaGermans Guest Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

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Welche Mauer ?

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Welche Mauer?

(Eine Kurzgeschichte von Dieter Kermas)
 

Wie hältst du das nur aus mit dieser schrecklichen Mauer?“, so hörte ich Tante Irmchen mit ängstlich, besorgter Stimme fragen. Der Anruf aus dem kleinen Dorf in der Nähe von Freiburg i. Breisgau war sicher wohlgemeint, und zeigte ihr Mitgefühl mit dem eingemauerten Neffen.

„Ich hätte sicher schon Depressionen, wenn ich Tag für Tag diesen Anblick ertragen müsste“, fuhr Tantchen fort. Ihre Anteilnahme an meinem Schicksal hörte ich bei jedem Anruf. Doch Gott sei Dank, beschränkten sich unsere Telefonate nur auf die Geburtstage.

Ich weiß heute nicht mehr, was mich in diesem Moment dazu verleitete zu sagen:„Tante Irmchen, ich lade dich hiermit ein, mich in meiner Mauerfestung zu besuchen.“ Heftiges Atmen auf der anderen Seite, dann „du meinst, ich soll dich in der DDR besuchen?“

„Nee, halt, Berlin liegt zwar in der DDR, aber ich wohne, wie du weißt, in Schöneberg, im amerikanischen Sektor, und nicht in der DDR.“ „ Ach ja, da komme ich immer etwas durcheinander“, entschuldigte sich Irmchen.

Nach harter Überredungsarbeit stimmte meine Tante der Reise zu, im Juli nach Berlin zu kommen. „Durch die russische Zone fahre ich aber nicht. Keine zehn Pferde bringen mich über diese Transitstrecke“, teilte sie mir mit energischem Ton mit. So einigten wir uns auf einen Flug nach Berlin – Tegel.

Am Tag ihrer Anreise stand ich, mit einem Blumenstrauß bewaffnet, am Ankunft – Terminal, und wartete auf meine Tante Irmchen. Dann entdeckte ich sie im Strom der ankommenden Fluggäste und eilte auf sie zu. Nach Blumenübergabe und Kofferempfang fuhren wir zu meiner Wohnung. Die Reise hatte sie wohl doch ein wenig angestrengt. Ich bemerkte, wie sich ihr Kopf mit geschlossenen Augen auf ihre Brust senkte, und tiefe Atemzüge ein Nickerchen kundtaten.

„Sind wir schon da?“, fragte sie, als ich sie weckte. „Ja, komm, wir bringen jetzt dein Gepäck nach oben und dann essen wir Abendbrot“, schlug ich vor, und meine Tante nickte zustimmend. Nach dem Essen unterbreitete ich ihr mein morgiges Besichtigungsprogramm. „Halt, halt, mir schwirrt der Kopf bei diesen vielen Orten, die du mir zeigen willst. Erkläre mir bitte alles morgen noch einmal“, bat sie, sichtlich von meiner Tour überfordert.

Am Morgen meinte es das Wetter gut mit uns, die Sonne strahlte, und Tante Irmchen war so aufgeregt, dass sie kaum das Frühstück anrührte. Meine Tour hatte ich, in Hinblick auf Tantchens Mauerphobie, so gewählt, dass wir an keiner Stelle der Fahrt die Mauer sehen würden.

Wir fuhren durch fast alle westlichen Bezirke und ich zeigte ihr unsere Sehenswürdigkeiten sozusagen von A bis Z. Zum guten Schluss nahm ich Kurs über die Havelchaussee und schlängelte mich rauf bis nach Heiligensee. Die Fahrt hatte bereits Stunden gedauert, als sich Tante Irmchen nicht mehr zurückhalten konnte und mit leicht nervöser Stimme fragte: „ wo ist denn nun endlich die Mauer?“

Auf diesen Moment hatte ich, ich gestehe, mit einiger Schadenfreude gewartet, und antwortete: „ Welche Mauer?“

Ich wollte den Bogen nicht überspannen und sagen, dass wir gar keine Mauer haben, also sagte ich: „Liebe Tante, wie du selber nach dieser langen Fahrt gesehen hast, kann man hier in Berlin gut leben, seinem Beruf nachgehen, zum Wannsee fahren, um zu baden, am Kurfürstendamm bummeln gehen, man kann stundenlang mit dem Dampfer fahren, im Grunewald Pilze sammeln, oder auf der Havel Wassersport treiben. Alles dies kannst du tun, ohne nur ein Eckchen von der Mauer gesehen zu haben.“

Erst als ich ihre fassungslose Miene sah, tröstete ich Irmchen mit den Worten:„Jetzt zeige ich dir deine Mauer, sonst fährst du nachhause, und schwörst deinen Bekannten, dass es in Berlin gar keine Mauer gibt.

© Dieter Kermas

Photo: ©Graccem “Lake Heiligensee summer” CC BY-SA 3.0———————————————————————————————————————–

Dieter KermasDieter Kermas, CaliforniaGermans Guest Author and a true Berliner, turned to writing after he retired from his profession as an engineer. Family and friends urged him to document his many experiences during his childhood in wartime Germany. This made for a collection of various essays which have been published here at CaliforniaGermans. (You can find the stories here on CaliforniaGermans.com by putting “Dieter Kermas” into the Search Box.) Apart from his childhood memories he is also sharing some of his short stories and poems on CaliforniaGermans. Dieter Kermas, who loves to write, is currently working on his first novel. Some of his work has been included in anthologies.

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